Brief zur Kuba-US-Annäherung Lebenszeichen von Fidel Castro

Wie geht es Fidel Castro? Zuletzt machten Gerüchte die Runde, der "Máximo Líder" sei tot. Jetzt aber äußert sich der 88-Jährige in einem Brief zu der Annäherung zwischen Kuba und den USA - und scheint ganz der Alte.

Fidel Castro (Archivfoto vom April 2013): Kein Vertrauen zu den USA
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Fidel Castro (Archivfoto vom April 2013): Kein Vertrauen zu den USA

Von , Mexiko-Stadt


Lang hat er geschwiegen, nun hat sich Kubas Revolutionsführer Fidel Castro wieder zu Wort gemeldet - und sich zur historischen Annäherung zwischen seinem Land und den USA geäußert. Er traue der Politik Washingtons weiterhin nicht. Trotzdem lehne er eine friedliche Annäherung mit dem früheren Erzfeind nicht ab, schrieb der frühere Machthaber an eine kubanische Studentenorganisation.

"Wir werden stets die Zusammenarbeit und die Freundschaft mit allen Völkern der Welt verteidigen, selbst wenn sich darunter unsere politischen Gegner befinden", hieß es in dem Text weiter, der am Montagabend von einem Studentenfunktionär in der Aula der Universität von Havanna vorgelesen wurde. Dort fand eine Veranstaltung zu Ehren von fünf von den USA freigelassenen kubanischen Spionen statt. Anschließend wurde die Erklärung von Castro I. im Staatsfernsehen vorgetragen.

Der Brief muss als Unterstützung für die Politik seines kleinen Bruders Raúl Castro gewertet werden. Der jetzige Präsident Kubas hat Ende vergangenen Jahres die Annäherung an den früheren Erzfeind gewagt. Mitte Dezember hatten Castro II. und US-Präsident Barack Obama gleichzeitig der Welt verkündet, dass mehr als 50 Jahre Kalter Krieg zwischen beiden Staaten nun beendet sei und man wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen wolle.

Vor wenigen Tagen fand die erste Gesprächsrunde zwischen den USA und Kuba in Havanna statt. Doch die Verständigung der Neu-Freunde erwies sich komplizierter als gedacht. Ideologische Unterschiede kamen voll zum Tragen. Vor allem die kommunistische Regierung in Havanna will in Fragen der Menschenrechte und den Freiheiten für Andersdenkende auf der Insel kaum Zugeständnisse machen.

Gerüchte über Tod beenden

Der Castro-Brief soll zudem den Gerüchten ein Ende setzen, der 88 Jahre alte Fidel sei sterbenskrank oder womöglich sogar schon tot. Diese Nachricht hatte Anfang Januar in den sozialen Netzwerken kursiert und war durch das Schweigen von Castro I. zu den Verhandlungen mit den USA befeuert worden.

Seit gut einem Jahr hat sich der Revolutionsführer nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Am 8. Januar 2014 eröffnete er in Havanna eine Ausstellung des kubanischen Künstlers Alexis Leyva Machado. Und am 11. Januar hatte Castro nach Angaben des venezolanischen Staatssenders Telesur einen Brief an den früheren argentinischen Fußballstar Diego Maradona geschrieben, ohne sich allerdings dabei politisch zu den Verhandlungen mit den USA zu äußern.

Aus Überlebensinstinkt gespeister politischer Pragmatismus

Fidel Castro war Ende Juli 2006 wegen einer Darmerkrankung plötzlich von seinem Amt zurückgetreten. Sein um fünf Jahre jüngerer Bruder Raúl übernahm zunächst kommissarisch und ab 2008 dann auch offiziell die Amtsgeschäfte auf der Insel und hat seitdem viele politische und vor allem wirtschaftliche Reformen angeschoben: Gemeinsam mit der Nationalversammlung hat er die Verkürzung der Amtszeit der Mandatsträger auf zehn Jahre beschlossen, er schaffte das Staatsmonopol auf die Beschäftigung ab und entließ Hunderttausende Staatsdiener in die Selbstständigkeit. Und: Castro öffnet die Insel vorsichtig für private Investitionen.

Die neue Nähe zu den Vereinigten Staaten erklären Experten so auch weniger mit einer Neubesinnung Kubas als vielmehr mit einem aus Überlebensinstinkt gespeisten politischen Pragmatismus. Denn Venezuela, der Hauptsponsor Kubas, ist in eine tiefe Wirtschaftskrise gerutscht. Und es ist fraglich, wie lange die Regierung in Caracas Kuba noch mit billigem Öl versorgen und so am Leben halten kann.

Der kapitalistische Neu-Freund im Norden soll nun also das Weiterexistieren des kubanischen Kommunismus sichern. Die Dollar der US-Touristen und US-Auslandsüberweisungen sollen die möglicherweise wegbrechenden venezolanischen Petro-Dollar ersetzen.



insgesamt 28 Beiträge
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waltraudnetwall 27.01.2015
1. Fidel Castro
hat recht.Den Amrrikanern würde ich auch nicht trauen.Sie machen nichts umsonst.Die Annäherung an Kuba war ein Vorschlag vom Papst Franziskus.
unglaeubig 27.01.2015
2. Monarchisch!
Was ist denn an 'Fidel' und 'Raul' so schwer zu schreiben, dass man da jetzt für Diktatoren eine nahezu monarchische Namensregelung (Castro I./II.) nutzen muss. Bei Bush hat das doch auch keiner gemacht und unter Brüdern ist das auch absolut unüblich...
sonnix 27.01.2015
3. sehr gut
schoen zu lesen, dass es auch positive geopolitische nachrichten gibt.nach all den verwerfungen der letzten monate ein hoffnungsschimmer, wenn gleich auch ein politisch unbedeutener.
CastroSempre 27.01.2015
4. Menschenrechte
"Doch die Verständigung der Neu-Freunde erwies sich komplizierter als gedacht. Ideologische Unterschiede kamen voll zum Tragen. Vor allem die kommunistische Regierung in Havanna will in Fragen der Menschenrechte und den Freiheiten für Andersdenkende auf der Insel kaum Zugeständnisse machen. " Warum sollte sie auch? Die kubanische Regierung lehnt immer noch vehement ab, daß das illegal annektierte Guantanamo Bay als Folter- und Gefangenenlager mißbraucht wird.
frank57 27.01.2015
5. Abwarten.....
wie die Amis diese Annäherung vornehmen......bleibt zu hoffen, das die Kubaner sich nicht überrollen und über den Tisch ziehen lassen....denn trauen kann man denen wirklich nicht! Aber warum muss man in einem solchen Artikel die gute Zusammenarbeit zweier Staaten als " Sponsoring mit billigem Öl" herabwürdigen? Das ist unterste Schublade!!!
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