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18. August 2006, 18:36 Uhr

Kuba

Raul Castro mobilisiert zehntausende Reservisten

Kuba wappne sich gegen einen möglichen Angriff der USA, erklärte Raul Castro in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme seit der Übernahme der Macht von seinem erkrankten Bruder Fidel. Man habe nicht ausschließen können, dass in der US-Regierung "jemand ausrastet."

Havanna - Alle Maßnahmen seien getroffen worden, um jedweden Angriff gegen Kuba abzuwehren, erklärte Raul Castro in einer Stellungnahme für die Parteizeitung "Granma". Er fügte gleichzeitig hinzu, Kuba sei "nach wie vor bereit", die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu normalisieren - allerdings auf "gleicher Augenhöhe" und nicht mit "Diktaten" oder "Drohungen".

Castro erklärte, er habe in den frühen Morgenstunden des 1. August - einen Tag nach der Machtübernahme - entschieden, "unsere Kampfkapazitäten substanziell zu erhöhen". Zehntausende Reservisten und Angehörige von Milizen seien mobilisiert worden. Im Land herrsche "absolute Ruhe". Aus Parteikreisen war am Mittwoch verlautet, dass die zivilen Milizen inzwischen wieder demobilisiert seien.

Die Mobilmachung erklärte Castro damit, man habe nicht ausschließen können, dass innerhalb der US-Regierung "jemand ausrastet". In diesem Zusammenhang kritisierte er scharf den Plan von US-Präsident George W. Bush, die Kubaner bei der Errichtung einer der Demokratie verpflichteten Übergangsregierung zu unterstützen.

Raul Castro hatte Ende Juli vorübergehend die Macht von seinem fünf Jahre älteren Bruder Fidel übernommen. Dem kubanischen Staatschef gehe es nach seiner Darmoperation besser, erklärte Castro, er erhole sich "Stück für Stück auf eine zufrieden stellende Weise".

Die lange Zeit vor Raul Castros erstem öffentlichen Auftritt hatte Spekulationen über Machtkämpfe in der kubanischen Führung genährt. Castro selbst sagte dazu: "Ich bin immer diskret gewesen, das ist meine Art." Er schere sich nicht um diejenigen im Ausland, die "darüber spekulieren wann ich im Fernsehen oder in den Zeitungen erscheine oder nicht".

sön/AFP/Reuters

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