Kunduz Bundeswehr greift Taliban-Stellungen an

Bei einem Angriff der Bundeswehr und der afghanischen Armee sind vier deutsche Soldaten leicht verletzt worden. Zu den stundenlangen Gefechten kam es westlich des Feldlagers in Kunduz. Oberst Grube rechnet mit einer stetigen Verbesserung der Sicherheitslage.


Kunduz/Kabul - Als die Bundeswehr und die afghanischen Armee am Sonntag Taliban-Stellungen in der nordafghanischen Provinz Kunduz angriffen, sind vier deutsche Soldaten leicht verletzt worden. Ein Bundeswehrsprecher in Kunduz sagte, es habe Verluste auf der Seite der Aufständischen gegeben. Genaue Angaben dazu lägen aber nicht vor.

Ein Schützenpanzer vom Typ Marder sei in eine Sprengfalle geraten und beschädigt worden, sei aber weiter einsatzfähig, sagte der Sprecher. Auch ein zweites Bundeswehrfahrzeug sei beschädigt worden.

Zu den stundenlangen Gefechten kam es im Unruhedistrikt Char Darah, etwa sieben Kilometer westlich des deutschen Feldlagers. Unterdessen starben bei Kämpfen im Südosten und im Süden des Landes nach Militärangaben mehr als 50 Aufständische.

Bundeswehr rechnet mit verbesserter Sicherheitslage

In Kunduz rechnet die Bundeswehr erstmals seit mehr als drei Jahren wieder mit einer Verbesserung der Sicherheitslage. "Aufgrund unterschiedlichster Rahmenbedingungen erkennen wir eine leicht positive Tendenz", sagte der Kommandeur des zivil-militärischen Wiederaufbauteams (PRT), Oberst Rainer Grube.

Von einer Trendwende könne allerdings nicht vor dem kommenden Frühjahr gesprochen werden, sagte Grube weiter. "Die Sicherheitslage im Raum Kunduz ist weiterhin angespannt." Man beobachte aber eine stetige Verbesserung. Diese sei nicht nur auf den einsetzenden Winter zurückzuführen, in dem die Kämpfe traditionell abflauen.

Dazu habe auch der Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte sowie Operationen der US-Truppen und der Bundeswehr gegen die Taliban geführt. "Ich gehe davon aus, dass der Gegner geschwächt ist."

Rühe: "Abenteuer Afghanistan muss beendet werden"

Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) plädierte derweil für eine politische Lösung am Hindukusch. "Das Abenteuer Afghanistan muss beendet werden", sagte Rühe am Samstag im Deutschlandradio Kultur. Der konkrete Bezug zu den Anschlägen des 11. Septembers 2001 sei verlorengegangen, denn mittlerweile bekämpfe man die Taliban, die nicht mit dem Terrornetz al-Qaida gleichzusetzen seien.

"Wir können aber nicht bestimmen, wer in Afghanistan regiert", sagte Rühe. Die Manipulationen bei den jüngsten Wahlen hätten zudem gezeigt, dass man dort keinen glaubwürdigen Partner habe. Die Taliban seien nicht in der Lage, New York oder Hamburg anzugreifen. "Das sind unsympathische Zeitgenossen, aber die gibt's in vielen Staaten."

Mehr als 57 Taliban getötet

In der südöstlichen Provinz Paktika wurden am Samstag mindestens 30 Aufständische bei stundenlangen Kämpfen mit der Internationalen Schutztruppe Isaf getötet. Die Soldaten hätten einen Angriff gegen einen militärischen Außenposten zurückgeschlagen, teilte die Isaf mit. Fünf Soldaten seien verletzt worden.

Bei weiteren Gefechten in der Provinz Helmand kamen nach Angaben von Isaf und örtlichen Behörden am Wochenende zudem ein Nato-Soldat und mindestens 27 Taliban-Kämpfer ums Leben.

abl/dpa



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