Irak Kurdenpräsident Barzani tritt zurück

Zwölf Jahre stand er an der Spitze der Kurden im Irak - doch im Konflikt um die Unabhängigkeit von Bagdad hat sich Masoud Barzani verspekuliert. Nun gibt der 71-Jährige seinen Posten auf.

Barzani am 24. September
REUTERS

Barzani am 24. September


Der im Konflikt um die Unabhängigkeit in den vergangenen Wochen stark in die Defensive geratene Präsident der Kurden im Irak zieht sich zurück: Masoud Barzani hat in einem Schreiben an das kurdische Parlament angekündigt, seine Amtszeit nicht über den 1. November hinaus zu verlängern, sagte ein Regierungsvertreter. Barzani bekleidet seit 2005 den höchsten Posten der Autonomieregion im Nordirak.

In dem Brief, aus dem unter anderem die kurdische Nachrichtenseite "Rudaw" zitiert, schreibt Barzani, er werde der "Nation" als Peschmerga-Kämpfer erhalten bleiben.

Der 71-jährige Barzani hatte Ende September ein Referendum über die Unabhängigkeit der irakischen Kurden abhalten lassen - eine schwere politische Fehleinschätzung. Zwar stimmte eine überwältigende Mehrheit von mehr als 92 Prozent für eine Abspaltung der Kurdengebiete vom Irak. Die Zentralregierung in Bagdad ging in der Folge aber resolut gegen die kurdische Führung in Arbil vor.

Die irakische Armee und verbündete Schiitenmilizen eroberten binnen kurzem Gebiete um Kirkuk, die die Kurden im Jahr 2014 im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) eingenommen hatten - ohne auf nennenswerten Widerstand der kurdischen Peschmerga-Kämpfer zu stoßen. Ein Zeichen dafür, dass die jahrelange innere Einheit der Kurden nicht mehr stabil sein könnte.

Die geheime Sitzung des Parlaments am Sonntag wurde "Rudaw" zufolge zwischenzeitlich sogar unterbrochen, weil die Spannungen zwischen den Fraktionen bei der Diskussion über die künftige Machtverteilung überhandnahmen. Barzani hatte in seinem Brief geschrieben, das Parlament solle sich um die Machtübergabe kümmern und kein politisches Vakuum zulassen. Zuletzt waren die für den 1. November angekündigten Präsidentschaftswahlen in irakisch-Kurdistan um acht Monate verschoben worden.

Der Rückzug Barzanis könnte zumindest den Konflikt mit der irakischen Zentralregierung entspannen, da sein Verhältnis mit Ministerpräsident Haider al-Abadi schwer gestört ist. Bereits am Samstag hatten sich Delegationen aus Bagdad und Arbil getroffen, um Streitpunkte über Verhandlungen auszuräumen. Mitte der Woche hatte die kurdische Regierung Bagdad angeboten, das Ergebnis des Unabhängigkeitsreferendums einzufrieren, um Gespräche zu ermöglichen.

fdi/dpa/Reuters/AFP

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lillime2 29.10.2017
1. Alltagsrassismus bei SPON
Liebe SPON-Redaktion, ihr wettert doch sonst immer gegen Nazis, Rassismus und Hastenichtgesehen. Es wäre nett, wenn Ihr Euch an Eure hohen Moralmassstäbe halten würdet. "Kurdenpräsident"!? Ich spreche ja auch nicht von Franzosenhauptstadt, Deutschenkanzlerin, Türkenpräsident oder Russenflughafen. Wie wäre es mit "Der kurdische Präsident tritt zurück"? Kurden sind kein Rudel Wölfe oder Herde Schafe. Klingt wohl fetziger "Kurdenpräsident"!? Ich bitte um Respekt vor den Kurden, auch sprachlich. Mit freundlichen Grüssen an die zuständigen Deutschenjournalisten
haenselherz 29.10.2017
2. Danke
Zitat von lillime2Liebe SPON-Redaktion, ihr wettert doch sonst immer gegen Nazis, Rassismus und Hastenichtgesehen. Es wäre nett, wenn Ihr Euch an Eure hohen Moralmassstäbe halten würdet. "Kurdenpräsident"!? Ich spreche ja auch nicht von Franzosenhauptstadt, Deutschenkanzlerin, Türkenpräsident oder Russenflughafen. Wie wäre es mit "Der kurdische Präsident tritt zurück"? Kurden sind kein Rudel Wölfe oder Herde Schafe. Klingt wohl fetziger "Kurdenpräsident"!? Ich bitte um Respekt vor den Kurden, auch sprachlich. Mit freundlichen Grüssen an die zuständigen Deutschenjournalisten
Danke für diese treffende und intelligente Kritik, insbesondere weil der Kurdische Präsident Masuth Barzani das Beste für Demokratisierung und Einigung des kurdischen Volkes war, was ihnen passieren konnte. Deshalb glaube ich auch nicht an eine Uneinigkeit der Kurden, wie im Artikel angedeutet, als Grund für den geringen militärischen Widerstand bei Kirkuk, sondern an ein besonnenes Zurückziehen der Peshmerga auf Anordnung Barzanis, um die Situation zu deeskalieren. Barzani hat sich eindeutig verspekuliert, verdient aber höchsten Respekt für sein Handeln und seinen Rücktritt.
sirgentlemen 29.10.2017
3. Richtig so
Lieber Barzani, wer Teile Iraks illegal besetzt und noch meint sie zu annektieren, ist ein Kriegtreiber. Die irakische Regierung hat sie ganz klar aufgefordert, diese Ländereien zu verlassen, leider ohne Erfolg. Erst nach Marsch der irakischen sowie schiitischen Kräften sind Sie zurück gezogen.
macarthur996 29.10.2017
4. bärnbärg
das sich Barzani zurückzieht ist höchste Zeit. das ist seine beste Tat in dieser Situation und er soll sich nun wirklich daran halten. für die kurdische Angelegenheit war er nicht der richtige Mann, den er hat nur für seinen Familienclan gesorgt und nicht die Interessen des kurdischen Volkes vertreten
nerduli 29.10.2017
5. An sirgentlemen
also wir kurden haben es nicht illegal erobert sondern haben es im Krieg gegen die IS geblutet und viele Männer verloren.wo war da die irakische Armee??? hat sich versteckt in Bagdad oder sonst wo wie die maulwürfe unter der Erde. und jetzt wo alles gut ist sollen wir die Gebiete verlassen einfach so?? außerdem gehört Kirkuk normalerweise zu Kurdistan und es leben genau so viele kurden dort wie Araber wenn nicht mehr. deshalb finde ich es schade dass ein Rückzugsbefehl raus ist weil dann ist jeder Tropfen Blut was unsere tapferen und starken peshmerga verloren haben bei diesem Krieg umsonst gewesen.
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