Gefangene IS-Kämpfer Kurden überstellen 280 Dschihadisten an den Irak

Die kurdisch-arabische Allianz SDF in Syrien hat erste Gefangene der Terrorgruppe "Islamischer Staat" ausgeliefert. Wie der Irak meldet, habe man 280 Dschihadisten übernommen, darunter wohl auch Europäer.

Mutmaßliche IS-Kämpfer warten nahe dem syrischen Baghus auf ihren Abtransport
AFP

Mutmaßliche IS-Kämpfer warten nahe dem syrischen Baghus auf ihren Abtransport


Die vom internationalen Anti-IS-Bündnis unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben erste gefangen genommene Dschihadisten an den Irak abgegeben. Wie die Regierung in Bagdad mitteilte, seien 280 Kämpfer von irakischen Behörden übernommen worden.

Unter den überstellten Männern sollen neben irakischen Staatsbürgern auch 14 Franzosen und sechs Araber unklarer Herkunft sein, sagte ein irakischer Militär der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Sicherheitsbehörden erklärten, die SDF hätten zahlreiche ausländische IS-Kämpfer gefasst, darunter seien mehr als 500 Iraker. Der Irak hatte im Dezember 2017 den Sieg über die IS-Miliz im eigenen Land verkündet. In Syrien gehen SDF-Einheiten mit Unterstützung der USA derzeit gegen die letzte Bastion der Terrorgruppe in Baghus vor.

Über den Umgang mit gefangen genommenen ausländischen IS-Dschihadisten wird derzeit international diskutiert. US-Präsident Donald Trump hat die Europäer aufgefordert, ihre eigenen von den Kurden inhaftierten Staatsbürger aus der Gruppe von rund 800 ausländischen IS-Kämpfern zurückzunehmen. Hinzu kommen rund 2000 Angehörige, die mit den ausländischen Kämpfern beim IS lebten.

Trump hatte gedroht, würden die Europäer nicht bald Gefangene übernehmen, würden die Kurden sie freilassen. Das dementierte aber der außenpolitische Sprecher der Kurden, Abel Karim Omar, am Sonntag.

Nach längerem Streit hatten die USA vergangene Woche dem Drängen der Kurden nachgeben, nicht wie von Trump angekündigt alle US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. Nun sollen bis zu 400 US-Soldaten vorerst weiter in Syrien bleiben. In der US-Regierung herrscht Uneinigkeit darüber, wie stark die Terrormiliz IS noch ist. Trump hatte die Extremisten für besiegt erklärt, dem widersprachen jedoch seine eigenen Sicherheitsberater.

Frau im von SDF-Kämpfern zurückeroberte Hadschin
DPA

Frau im von SDF-Kämpfern zurückeroberte Hadschin

In Deutschland wird weiter darüber diskutiert, wie mit Dutzenden deutschen Islamisten und deren Familien umgegangen wird, die in kurdischer Haft sitzen. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) kündigte im SPIEGEL an, Vorkehrungen für die Rückkehr von Islamisten aus Syrien zu treffen.

"Wir müssen sicherstellen, dass sich ehemalige IS-Kämpfer bei uns nicht frei bewegen können", sagt die Politikerin. "Nicht wenige werden längst per Haftbefehl gesucht. Andere müssen konsequent überwacht werden, sobald sie Deutschland betreten."

Die Forderungen, was mit deutschen Dschihadisten geschehen solle, reichten vom Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft bis zur Einrichtung eines internationalen Tribunals für Kriegsverbrechen in Syrien, das die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) in einem Gespräch mit dem SPIEGEL forderte.

cht/Reuters/AFP

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