Kurdenkonflikt Türkei und PKK-Chef Öcalan verhandeln über Frieden

In der Türkei wächst die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Kurdenkonfliktes. Der inhaftierte PKK-Chef Öcalan nennt seine Kontakte mit dem türkischen Staat bereits "Verhandlungen". Seine Organisation verlängerte die seit Sommer geltende Waffenruhe.

Demo für Öcalan: Gespräche über dauerhaften Frieden
REUTERS

Demo für Öcalan: Gespräche über dauerhaften Frieden


Istanbul - In der Türkei könnte bald eine blutige Ära zu Ende gehen: der Kampf der PKK gegen die Unterdrückung der Kurden. Der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan ließ am Montagabend mitteilen, seine Kontakte mit dem türkischen Staat hätten inzwischen die Dimension regelrechter "Verhandlungen" über eine Friedenslösung angenommen. Ein führender Kurdenpolitiker erklärte unterdessen, die Phase des bewaffneten Kampfes sei vorbei.

Die Kurdenpolitikerin Aysel Tugluk hatte Öcalan am Montag auf der Gefängnisinsel Imrali bei Istanbul besucht. Nach ihrer Rückkehr erklärte sie am Abend, Öcalan betrachte seine Gespräche mit türkischen Staatsvertretern als "qualifiziert, ernsthaft und wichtig". Die Kontakte hätten inzwischen den Charakter von "Verhandlungen" angenommen. Er habe den Eindruck gewonnen, dass auch der Staat den Frieden wolle, zitierte Tugluk den PKK-Chef.

Die türkische Regierung hatte die Kontakte des Geheimdienstes mit Öcalan vor wenigen Monaten bekannt gegeben. In den Gesprächen geht es um Wege zur friedlichen Beendigung des Kurdenkonfliktes.

Die PKK hatte am Montag eine im Sommer ausgerufene Waffenruhe bis zu den türkischen Parlamentswahlen im kommenden Juni verlängert und sich gleichzeitig von dem Anschlag in Istanbul distanziert, bei dem am Sonntag der Attentäter umkam und 32 Menschen verletzt wurden. Osmar Baydemir, der Bürgermeister der Kurden-Metropole Diyarbakir und einer der prominentesten Kurdenpolitiker der Türkei, erklärte die Phase der Gewalt für beendet. Er sagte dem türkischen Nachrichtensender NTV, die PKK und die türkische Armee könnten den jeweiligen Gegnern mit Waffengewalt nicht besiegen. Nun gebe es die Chance auf Frieden.

Die PKK kämpft seit Anfang der achtziger Jahre für die Unabhängigkeit oder größere Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei. In dem Konflikt wurden nach Angaben der türkischen Armee mehr als 42 000 Menschen getötet. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat.

1999 wurde Öcalan vom türkischen Geheimdienst in Nairobi gekidnappt, in die Türkei verschleppt, dort wegen Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt. 2002 wurde die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

ler/AFP/dpa



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Babilynier 02.11.2010
1. Kurdenkonflikt: Türkei und PKK-Chef Öcalan verhandeln über Frieden
Endlich Vernuft, auf beide Seiten! Ein grosser Schritt fuer die Tuerkai und Mittel Osten!
SmarterAlsDu 02.11.2010
2. Na endlich...
Wollen wir mal hoffen, dass die Kurden und Türken diese Chance nutzen - anderenfalls wird weder das eine noch das andere Volk sich im eigenen Land sicher fühlen können.
archie, 04.11.2010
3. Antwort
Dann können die ganzen "kurdischen" Exilanten bei uns ja bald nach Hause gehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.