SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

18. Januar 2013, 20:13 Uhr

Kurdinnen-Mord in Paris

Polizei nimmt zwei Verdächtige fest

Nach dem Mord von drei kurdischen Aktivistinnen hat die französische Polizei nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP zwei Verdächtige festgenommen. Was genau den Männern vorgeworfen wird, war zunächst unklar. Einer soll der Fahrer einer der erschossenen Frauen gewesen sein.

Paris - Der Druck auf die französischen Behörden ist groß: Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan hatte von Paris die "sofortige" Aufklärung der Morde an den drei Kurdinnen gefordert. Jetzt hat die französische Polizei nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP zwei Verdächtige festgenommen. Aus Polizeikreisen verlautetem, bei den beiden Männern handele es sich um in der Türkei geborene Kurden. Sie sollen aus dem engen Umfeld der getöteten Frauen stammen.

Einer der Männer sei offenbar der Fahrer von einer der getöteten Kurdinnen gewesen. Die Ermittler seien zudem einer "entscheidenden Spur" gefolgt. Der Zugriff sei bereits am Donnerstag erfolgt, hieß es. Was genau den Verdächtigen vorgeworfen wurde und ob und inwieweit sie mit den Morden an den drei Frauen zu tun haben, blieb zunächst unklar. Die beiden sollen zu den Vorfällen in der Nacht zum 10. Januar verhört werden.

Damals waren die Leichen der drei Aktivistinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Söylemez im kurdischen Informationszentrum in Paris aufgefunden worden. Alle drei waren erschossen worden. In Frankreich und in der Türkei gingen nach dem Dreifachmord Tausende Menschen auf die Straßen. Viele Demonstranten sprechen von einer "bestellten Exekution".

Kurdische Aktivisten machten die Türkei für die Gewalttat verantwortlich. Vertreter der Regierung in Ankara werteten den Vorfall hingegen als Ergebnis einer internen Fehde oder als Versuch, die Friedensgespräche zwischen der Regierung und dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan zu untergraben.

Die PKK wird von der Türkei, den europäischen Staaten und den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft. Alle drei Opfer unterhielten offenbar Verbindungen zur PKK. Diese hatte 1984 im Kampf für die Rechte der Kurden zu den Waffen gegriffen. Im Zuge des Konflikts wurden seitdem mehr als 45.000 Menschen getötet.

Frankreich hatte sich zuletzt um eine Verbesserung der Beziehungen zur Türkei bemüht. Mit rund 150.000 Mitgliedern hat das Land eine der größten kurdischen Exilgemeinden. Die Türkei wirft der Regierung in Paris und anderen europäischen Staaten mangelnde Kooperation im Kampf gegen die PKK vor. Anträge auf Auslieferung blieben oft ergebnislos, lautet eine häufige Klage aus Ankara.

heb/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung