"Kursk"-Drama Es gibt kaum noch Hoffnung

Die Tauchkapseln konnten noch immer nicht an das versunkene russische Atom-U-Boot "Kursk" andocken. Dass die 118 Seeleute noch gerettet werden können, wird immer unwahrscheinlicher. Es gibt auch keine Lebenszeichen mehr von Bord.


Ersucht das Ausland um Hilfe: Wladimir Putin
DPA

Ersucht das Ausland um Hilfe: Wladimir Putin

Moskau - Nach der Auswertung von Filmaufnahmen glauben Vertreter der Marine, dass eine gewaltige Explosion im vorderen Teil des Bootes am Samstag das Unglück auslöste. Der Kontrollraum sei dabei völlig zerstört worden, hieß es. Marinesprecher sagten, es gebe keine Lebenszeichen an Bord, das bedeute aber nicht, dass alle Soldaten tot seien. Die Marine gab die Zahl der Eingeschlossenen mit 118 an. Bemühungen zu ihrer Rettung scheiterten erneut.

Drei Tauchkapseln, die zu der "Kursk" herabgelassen wurden, konnten wegen starker Strömungen nicht an das U-Boot andocken. Der russische Ministerpräsident Michail Kasjanow sprach laut Presseberichten von einer fast katastrophalen Lage. Möglicherweise explodierte zunächst ein Torpedo, das dann den anderen Sprengstoff an Bord entzündete. Einige Offiziere erklärten, die Generatoren könnten bei der Explosion zerstört worden sein. Die Detonation beschädigte nach Angaben eines Marinesprechers auch die Rettungskapsel im Inneren der "Kursk", so dass sich die Soldaten nicht selbst befreien konnten. Es lagen widersprüchliche Angaben vor, wie lange der Sauerstoff an Bord noch ausreicht.

Die "Kursk" sank an dieser Stelle in der Barentssee
SPIEGEL ONLINE

Die "Kursk" sank an dieser Stelle in der Barentssee

Ein britisches Mini-U-Boot verließ am Donnerstagmorgen an Bord eines norwegischen Schiffes den Hafen von Trondheim. Ein weiteres norwegisches Versorgungsschiff mit zwölf bis 15 Tauchern an Bord war bereits auf dem Weg zum Unglücksort, um dem havarierten U-Boot zu Hilfe zu eilen. Beide Schiffe werden voraussichtlich erst am Samstag in der Barentssee eintreffen. Das Mini-U-Boot soll in einem ersten Tauchgang Sauerstoff, Strom und Nahrungsmittel zu den möglichen Überlebenden in die Tiefe bringen. Der norwegische Marinekommandant Alan Hoskins sagte, das Mini-U-Boot vom Typ LR5 sei noch nie bei einer Rettung zum Einsatz gekommen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass aus der "Kursk" noch Überlebende geborgen werden können.

Der Erfolg der Rettungsaktion wird jedoch nicht nur davon abhängen, dass die Tauchkapseln an die "Kursk" andocken können. Überlebende müssen die Luken von innen öffnen, da dies von außen nicht möglich ist. Die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtete unter Berufung auf einen ungenannten Pentagon-Beamten, US-U-Boote hätten am Samstag zwei Explosionen an der Unglücksstelle registriert. Davon sei die zweite stärker als die erste gewesen. Das Pressebüro der Marine wollte diese Angaben nicht bestätigen. Eine Untersuchungskommission werde die Unglücksursache ermitteln, hieß es.

In der "Kursk" sind 118 Seeleute unter Wasser gefangen
AP

In der "Kursk" sind 118 Seeleute unter Wasser gefangen

US-Präsident Bill Clinton bot seinem russischen Kollegen Wladimir Putin am Mittwoch erneut amerikanische Hilfe bei der Bergung der Besatzung des gesunkenen U-Bootes an. Russland hatte am Mittwoch Hilfsangebote Großbritanniens und Norwegens offiziell angenommen.

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