"Kursk"-Drama Waren die Klopfzeichen eine Marine-Erfindung?

Die Hoffnung, die 118 Besatzungsmitglieder der "Kursk" zu retten, ist stark zusammengeschmolzen. Fernsehberichten zufolge hat es die am Mittwoch gemeldeten Lebenszeichen nie gegeben. Das letzte Klopfen wurde danach am Montag registriert.


Der Versuch zur Rettung der "Kursk"-Besatzung als Flash-Animation
Ein russisches Schiff lässt eine Rettungskapsel ins Wasser
DPA

Ein russisches Schiff lässt eine Rettungskapsel ins Wasser

Moskau - Der Fernsehsender RTR berichtete am Freitag, während ausländische Rettungsschiffe noch mit voller Kraft zur Unglücksstelle eilten, dass der Kontakt schon vor vier Tagen abgebrochen sei. Für Samstag wurde mit dem Eintreffen des britischen Rettungs-U-Bootes "LR5" gerechnet."Heute haben wir von der russischen Marineführung einigeInformationen über das U-Boot erhalten. Seit dem 14. (August) gibt esvon dem U-Boot keinen akustischen Kontakt auf die Signale der Retter.Aus dem U-Boot dringt kein Klopfen", sagte der RTR-Reporter ArkadijMamontow an Bord des russischen Raketenkreuzers "Pjotr Weliki" an derUnglücksstelle. Zuvor hatte es noch geheißen, es habe seit Mittwochkeine Klopfsignale aus der "Kursk" mehr gegeben.

Der Bug und der Turm der "Kursk" sollen schwer beschädigt sein

Der Bug und der Turm der "Kursk" sollen schwer beschädigt sein

Die Chancen für einen Erfolg der russischen Tauchmissionen mitRettungskapseln schwanden am Freitag weiter. RTR berichtete, einesder Rettungsboote habe nach Tagen vergeblicher Versuche endlich aneiner der Luken des U-Bootes in hundert Meter Tiefe anlegen können. Essei jedoch nicht gelungen, das Wasser aus der Schleuse an der Kapselabzupumpen, da die Plattform an der Luke vermutlich verformt sei.Die Sauerstoffvorräte auf dem U-Bootkönnten nach Schätzungen von Experten schon vor Eintreffen derbritischen Helfer zu Ende sein. Die Retter gaben die Hoffnung abernicht auf, dass im U-Boot Eingeschlossene noch am Leben sein könntenund sich nicht bemerkbar machten, um Kräfte zu sparen.
Die "Kursk" sank an dieser Stelle in der Barentssee
SPIEGEL ONLINE

Die "Kursk" sank an dieser Stelle in der Barentssee

Der russische Präsident Wladimir Putin rechtfertigte das tagelangeZögern bei der Annahme westlicher Hilfe für die verunglückte "Kursk".Verteidigungsminister Igor Sergejew und Marinechef Admiral WladimirKurojedow hätten ihm versichert, dass "die russische Seite über alleMittel für Rettungsarbeiten verfüge", sagte er am Freitag auf derukrainischen Halbinsel Krim. Zudem habe schlechtes Wetter dieRettungsaktion behindert, sagte Putin. Das Eintreffen ausländischerHelfer "hätte das Wetter nicht zum Besseren verändert", wurde Putinvon der Nachrichtenagentur Interfax zitiert. Er wurde noch amFreitagabend zurück in Moskau erwartet.Die russischen Behörden nannten als wahrscheinlichsteUnglücksursache weiterhin eine Kollision. Unter anderem war bereitszuvor ein Zusammenstoß mit einem ausländischen U-Boot als möglicheUrsache genannt worden. RTR berichtete unter Berufung aufInformationen vor Ort, dass die russische Marine im Unglücksgebietnach der Havarie so genannte Notsignal-Bojen ausländischen Typsgesichtet habe. Das Marine-Oberkommando wies diese Angaben zurück.

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