"Kursk"-Drama Wie lange reicht der Sauerstoff?

Auf der Steuerbordseite des gesunkenen Atom-U-Bootes "Kursk" soll es nach russischen Angaben ein "fürchterliches Loch" geben. Dort soll sich ein Großteil der Besatzung aufgehalten haben. Wie lange indes noch der Sauerstoff an Bord reicht, ist umstritten. Lebenszeichen sind seit Tagen nicht mehr zu hören.


Der Versuch zur Rettung der "Kursk"-Besatzung als Flash-Animation
In der "Kursk" sind 118 Seeleute unter Wasser gefangen
AP

In der "Kursk" sind 118 Seeleute unter Wasser gefangen

Moskau - Klopfzeichen von der Besatzung gebe es schonlange nicht mehr, sagte der stellvertretende russischeMinisterpräsident Ilja Klebanow. Er sprach von einem"fürchterlichen Loch" in der "Kursk". In diesemBereich des Schiffs habe sich ein Großteil der Mannschaftaufgehalten.Die Katastrophe habe sich mit blitzartiger Geschwindigkeitabgespielt, sagte Klebanow in Murmansk, dem Stützpunkt derrussischen Nordmeerflotte. In einer Sonderausgabe veröffentlichtedie "Komsomolskaja Prawda" am Freitag eine Liste mit den Namen der"Kursk"-Besatzung. Nach eigenen Angaben wurden der Marine dafür18.000 Rubel (rund 1400 Mark) gezahlt. Diewidersprüchlichen Angaben und die späte Reaktion der Behörden sindvon den Angehörigen der Opfer scharf kritisiert worden.

Der Bug und der Turm der "Kursk" sollen schwer beschädigt sein

Der Bug und der Turm der "Kursk" sollen schwer beschädigt sein

Die "Kursk" sinke langsam in den Schlamm auf dem Meeresboden, sagte Marinesprecher Igor Dygalo, Kapitän zu See. Auf dieRettungsbemühungen habe dies jedoch kaum einen Einfluss. Dasbritische Mini-U-Boot "LR5" verließ am Donnerstagmorgen an Bord einesnorwegischen Schiffes den Hafen von Trondheim. Das Mini-U-Boot sollin einem ersten Tauchgang Sauerstoff, Strom und Nahrungsmittel zuden möglichen Überlebenden in die Tiefe bringen. Ein weiteresnorwegisches Versorgungsschiff mit zwölf bis 15 Tauchern an Bord istebenfalls auf dem Weg zum Unglücksort, wo es aber nicht vor Sonntageintreffen soll. Wie lange der Sauerstoff an Bord noch reicht, istumstritten. Klebanow und der Oberbefehlshaber der Marine, AdmiralWladimir Kurojedow, haben wiederholt erklärt, die Atemluft an Bordreiche nur bis Freitag. Andere Marinevertreter gaben jedochoptimistischere Prognosen ab.Als möglicheUrsachen des Unglücks nennen die russischen Behörden eine Kollisionmit einem anderen Schiff, eine Explosion im Innern des U-Boots oderden Aufprall auf eine Mine aus dem Zweiten Weltkrieg.Russische Zeitungen kritisierten Staatspräsident Wladimir Putin,weil er seinen Urlaub am Schwarzen Meer nicht unterbrach und sichbisher zu der Katastrophe nur sparsam äußerte. Der Unfall am 12.August wurde erst nach zwei Tagen bekannt gegeben; die Angehörigender 118 Besatzungsmitglieder erfuhren von dem Unglück aus demFernsehen. Westliche Hilfsangebote nahm Russland erst am Mittwochan. Aus Washington war zu hören, auf ein Hilfsangebotvon US-Verteidigungsminister William Cohen vom Dienstag sei Russlandnicht eingegangen.

© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.