"Kursk" Taucher durchlöchern die innere Hülle

Auch Sturm und Regen konnten Taucher nicht davon abhalten, ein erstes Erkundungsloch in die dicke Hülle der "Kursk" zu schneiden. Weder Öl noch Radioaktivität wurden im Wasser entdeckt.


Moskau - Zwei Monate nach dem Untergang des russischen Atom-U-Bootes "Kursk" haben Taucher mit dem gefährlichsten Teil der Bergungsaktion für die toten Seeleute aus dem Wrack begonnen. Bei rund um die Uhr dauernden Vorarbeiten bohrten sie bis Sonntagmittag ein erstes Erkundungsloch in den Innenrumpf des Wracks, das in mehr als 100 Meter Tiefe in der Barentssee liegt. Das Loch solle bis zum Montagmorgen zu einem Einstieg in das Wrackinnere erweitert werden, sagte der Sprecher der russischen Nordflotte, Wladimir Nawrozki.

Vorsichtig schneiden Taucher zwei kleine Löcher in die Außenhaut der "Kursk"
AP

Vorsichtig schneiden Taucher zwei kleine Löcher in die Außenhaut der "Kursk"

Obwohl am Sonntag Sturm und Regen aufkamen, gerieten die von der norwegischen Tauchplattform "Regalia" aus geleiteten Arbeiten nicht in Verzug. Das Spezialschiff der internationalen Öltechnikfirma Halliburton war am Freitag über der Unglücksstelle in Position gegangen.

Schwierigkeiten hatten den russischen und norwegischen Tauchern die Beseitigung von Druckluftbehältern, Leitungen und einer Gummischicht zwischen den beiden Schalen des Rumpfes bereitet, berichtete der Kommandeur der Nordflotte, Admiral Wjatscheslaw Popow. Zum Schneiden des Einstiegs werde weiteres Gerät in die Tiefe hinabgelassen.

Die Arbeiten konzentrierten sich auf die achte und neunte Sektion nahe dem Heck. Der Bug der "Kursk", eines hochmodernen U-Bootes der Oscar-II-Klasse von 155 Metern Länge und 18.000 Tonnen Gewicht, war am 12. August bei zwei Explosionen aus noch unbekannter Ursache völlig zerstört worden. Westliche Militärs vermuten eine Torpedo-Explosion, während Moskau lange von einer Kollision mit einem ausländischen U-Boot ausging.

Wasserproben aus dem Wrackinneren hätten keine Hinweise auf Brandschäden oder Ölverschmutzung in der achten Sektion ergeben, sagte Popow. Der Druck sei normal. Nur russische Taucher sollen zur Untersuchung und zur Bergung der Leichen in das Innere eindringen. In der Enge und Dunkelheit erwartet sie wahrscheinlich ein Chaos an zerstörten Metallteilen.

Die Norweger werden aus Gründen der militärischen Geheimhaltung nur außen am Wrack eingesetzt. Experten rechneten nach Angaben der Zeitung "Sewodnja" damit, dass nur fünf bis sechs tote Seeleute geborgen werden können.

Messungen mit Tauchrobotern zeigten keine erhöhte Radioaktivität am Wrack an. Die "Kursk" wurde von zwei Atomreaktoren angetrieben, die sich beim Untergang nach Militärangaben automatisch abschalteten. Atomwaffen waren angeblich nicht an Bord.



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