"Kursk" Taucher entdecken die erste Leiche

Jetzt hat Russland es offiziell bestätigt: Alle 118 Seeleute des Atom-U-Boots "Kursk" sind tot. Die Regierung in Moskau hat Norwegen gebeten, die Leichen aus dem Wrack zu bergen. Taucher entdeckten in der Nähe der Ausstiegsluke einen der toten Matrosen und wollen ihn nun mit einem Roboterarm bergen.


Mit einem Roboterarm wollen die norwegischen Taucher die Opfer bergen.
AP

Mit einem Roboterarm wollen die norwegischen Taucher die Opfer bergen.

Moskau - Die Nachrichtenagentur RIA hatte zuvor den Stabschef der russischen Nordmeerflotte, Michail Mozak mit den Worten zitiert: "Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt. Alle Sektionen des U-Bootes sind vollständig geflutet, und nicht ein einziges Besatzungsmitglied ist noch am Leben". In Moskau hatten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf einen Sprecher der russischen Nordmeerflotte gemeldet, die innere Ausstiegsluke sei gegen 11 Uhr (MESZ) geöffnet worden.

Trauer in Murmansk: Irina Korobkova, Frau des Zweiten Leutnants Alexej Korobkov, weint bei der Ankunft auf dem Bahnhof.
AFP

Trauer in Murmansk: Irina Korobkova, Frau des Zweiten Leutnants Alexej Korobkov, weint bei der Ankunft auf dem Bahnhof.

Die "Kursk" war am vergangenen Samstag in der Barentssee gesunken und liegt in 108 Metern Tiefe. Nach russischen Angaben hatten sich zwei Explosionen an Bord ereignet. Die Ursache dafür ist unklar. Die "Kursk" hat den Angaben zufolge keine Atomwaffen an Bord. Mehrere Versuche der russischen Marine, mit Kapseln die Besatzung zu retten, waren gescheitert. Norwegische Taucher halfen bei dem Einsatz. Ein britisches Mini-U-Boot kam nicht zum Einsatz.

Die Taucher waren zunächst nicht weiter ins Innere des in 108 Meter Tiefe gelegenen U-Boots vorgedrungen, das bei ihrer letzten Fahrt 118 Seeleute an Bord hatte. Die Norweger hatten trotz mehrerer Fehlversuche die Nacht über weiter versucht, die Luke zu öffnen. Sie setzten sich damit auch über die Skepsis von russischen Marineoffizieren hinweg, die erklärt hatten, die Luke könne wegen Beschädigungen nicht geöffnet werden. Der norwegische Offizier Erland Raanes sagte, es seien keine Schäden an der Luke festgestellt worden.

Beschädigt: Rettungsluke der "Kursk" (RTR-Fernsehbild)
REUTERS

Beschädigt: Rettungsluke der "Kursk" (RTR-Fernsehbild)

Die russischen Behörden setzten unterdessen ihre Ermittlungen zur Ursache der Katastrophe fort. Klebanow sagte, bisherigen Erkenntnissen zufolge sei die "Kursk" möglicherweise mit einer Mine aus dem Zweiten Weltkrieg oder einem ausländischen U-Boot kollidiert. Die US-Marine erklärte dazu, von den in dem Seegebiet befindlichen zwei amerikanischen U-Booten sei keines an dem Unfall beteiligt gewesen. Es sei aber möglich, dass an Bord der "Kursk" ein Torpedo explodiert sei, das eine Kettenreaktion ausgelöst habe.



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