Kurzbesuch Glos ruft deutsche Firmen zu mehr Investitionen im Irak auf

Als erster deutscher Minister seit dem Sturz Saddam Husseins hat Michael Glos den Irak besucht. Seine Mission: Mehr deutsche Unternehmen sollen sich in dem Land engagieren. Gleichzeitig rät das Auswärtige Amt jedoch Geschäftsleuten von Reisen in den Irak ab.


Bagdad/Berlin - Wirtschaftsminister Michael Glos hat trotz der angespannten Sicherheitslage deutsche Unternehmen zu einem größeren Engagement im Irak aufgerufen. "Ich habe etliche Unternehmen in meiner Begleitung. Sie sind praktisch die Vorhut für andere, die hoffentlich bald in den Irak kommen und sich insbesondere auch an den Privatisierungen beteiligen", sagte der CSU-Politiker dem ARD-Hörfunk in Bagdad.

Die irakische Regierung erklärte, Glos habe die "absolute Bereitschaft" deutscher Firmen bestätigt, am Wiederaufbau des Landes mitzuwirken. Der Besuch des Ministers dauerte nur wenige Stunden und wurde unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen begleitetet. Der Termin war im Vorfeld geheim gehalten worden.

Während Glos von einer verbesserten Sicherheitslage sprach, stuft das Auswärtige Amt Irak unverändert als sehr gefährlich ein und warnt vor Reisen in das Land. "Deutschen Staatsangehörigen wird geraten, das Land zu verlassen", heißt es in den Hinweisen des Ministeriums. "Trotz einer statistisch verbesserten Sicherheitslage bleibt der Aufenthalt im Irak gefährlich." Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, diese Warnungen seien nicht nur an Reisende gerichtet. "Das gilt für Unternehmen wie für Privatpersonen. Es gibt da keine unterschiedlichen Hinweise. Das sind auch keine höflichen Vorschläge. Das ist schon sehr ernst gemeint", sagte der Sprecher.

Die Einschätzung des Wirtschaftsministers und dessen Aufruf an die Unternehmen wolle der Sprecher des Amtes nicht weiter kommentieren. Die Behörde sehe aber keinen Anlass, an der kritischen Einschätzung für Irak etwas zu ändern. "Die Reise- und Sicherheitshinweise werden regelmäßig und sorgfältig auch mit Hilfe anderer Institutionen überprüft", sagte der Sprecher.

Bei Anschlägen und Feuergefechten, besonders in Bagdad und in den Gebieten nördlich der Hauptstadt kämen in jedem Monat weiterhin mehrere hundert Menschen ums Leben, warnt das Ministerium. Auch das Risiko von Entführungen sei unverändert sehr hoch. "Ausländer und die sie begleitenden Personen sind in besonderem Maße gefährdet."



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.