Labour-Parteitag Britischer Premier Brown gelobt Besserung

Hoffnungsschimmer für Gordon Brown: Die Revolte gegen den umstrittenen britischen Premier ist ausgeblieben. Zum Auftakt des Labour-Parteitags stellten sich hochrangige Kabinettsmitglieder demonstrativ hinter Brown. Dieser versprach, er werde seine Arbeit künftig "besser machen".


London - Der Regierungschef selbst gab sich am ersten Tag des Labour-Parteitags kämpferisch: Angesichts der aktuellen Finanzkrise halte er sich als früherer Finanzminister für die geeignetste Führungsfigur, sagte Gordon Brown am Sonntag in einem BBC-Interview.

Britischer Premier Brown: "Ziemlich einiges Kabinett"
DPA

Britischer Premier Brown: "Ziemlich einiges Kabinett"

Allerdings räumte er auch Fehler ein. Brown versprach, er werde seine Arbeit "besser machen". "Sie haben mich gefragt, ob wir Fehler gemacht haben, und ich sage Ja."

Brown wies jedoch Gerüchte zurück, wonach er als Parteichef von hochrangigen Kollegen infrage gestellt werde. Er habe ein "ziemlich einiges Kabinett". Auf die Frage, ob er bis Weihnachten noch Premier sei, antwortete Brown: "Ja, natürlich."

Wichtige Kabinettsmitglieder gaben Brown zum Auftakt des Labour-Parteitags Rückendeckung und demonstrierten Geschlossenheit. Außenminister David Miliband, der immer wieder als möglicher Nachfolger Browns genannt wird, sagte der Zeitung "Daily Mirror", es sei an der Zeit, dass die Partei "an einem Strang" ziehe. "Ich habe klargemacht, dass ich nicht denke, dass es der Zeitpunkt für einen Kampf um die Parteispitze ist."

Auch Justizminister Jack Straw und Gesundheitsminister Alan Johnson, beide als mögliche Erben des 57-jährigen Schotten angesehen, gaben den Rebellen eine Abfuhr. Brown sei "derzeit" der richtige Mann, die Partei zu führen, sagte Johnson.

Der fünftägige Parteitag gilt als Herausforderung für den Premier, der seit seiner Amtsübernahme vor gut einem Jahr mit Skandalen, Wahlniederlagen und einem historischen Umfragetief zu kämpfen hat. Vergangene Woche hatten Parteirebellen eine Abstimmung über den Regierungschef gefordert. Aufwind verschaffte Brown eine Millionenspende der Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling. Neue Umfragen zeigten jedoch weiter desaströse Ergebnisse für Labour. In den Meinungsumfragen liegt Labour derzeit landesweit rund 20 Prozentpunkte hinter den Konservativen.

Brown hatte im vergangenen Sommer Tony Blair als Premierminister abgelöst und ist nach 15 Monaten im Amt einer der unbeliebtesten Regierungschefs in der Geschichte Großbritanniens. Die Krise um die Hypothekenbank Northern Rock, die Brown mit Steuerngeldern vor der Pleite bewahren musste sowie Skandale um verlorengegangene Daten von Millionen Briten hatten sein Ansehen sinken lassen. Bei den Kommunalwahlen in England und Wales Anfang Mai erlitt Labour die schwerste Wahlniederlage seit 40 Jahren.

amz/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.