Britische Opposition Jeremy Corbyn ist neuer Labour-Chef

Er gilt als überzeugter Sozialist - und wird in Zukunft die Labour-Party in Großbritannien führen. Bei einer Urwahl konnte sich Jeremy Corbyn klar gegen drei parteiinterne Gegner durchsetzen.
Jeremy Corbyn: Gegen drei Kandidaten beim Kampf um Labour-Spitze durchgesetzt

Jeremy Corbyn: Gegen drei Kandidaten beim Kampf um Labour-Spitze durchgesetzt

Foto: Andy Rain/ dpa

Jeremy Corbyn steht in Zukunft an der Spitze der britischen Labour-Partei, die damit einen klaren Schwenk nach links macht. Bei einer Urwahl unter den knapp 600.000 Mitgliedern und Unterstützern der Labour-Party setzte sich der Parteilinke bereits in der ersten Runde mit 59,5 Prozent klar durch. Neuer Vizechef der Partei wird Tom Watson, der in der dritten Wahlrunde auf 50,7 Prozent der Stimmen kam.

Das Ergebnis wurde am Samstagvormittag im Londoner Queen Elizabeth II Conference Centre verkündet. Laut Jim Kennedy, Chef des Labour-Exekutivkomitees, hatten sich 422.664 Menschen an der Vorstandswahl beteiligt, rund 72,3 Prozent der Wahlberechtigten. Die Abstimmung war nötig geworden, weil der bisherige Parteichef Ed Miliband sein Amt nach der verheerenden Niederlage bei den Unterhauswahlen im Mai zur Verfügung gestellt hatte.

Seitdem suchte Labour nach einer neuen Führung. Interessant dabei war, dass neben Parteimitgliedern auch "registrierte Anhänger" an der Urwahl teilnehmen konnten - für drei britische Pfund. Und vor allem Corbyns Unterstützer nutzen diese Chance offenbar.

Nach 32 Jahren auf der Hinterbank auf einmal Chef

Zu Beginn der Urwahl war der 66-jährige Corbyn als absoluter Außenseiter ins Rennen um das Spitzenamt gegangen - wenig verwunderlich nach 32 Jahren als politischer Hinterbänkler im Parlament.

Seine Vision, die Arbeiterpartei wieder weiter nach links zu rücken, kam aber offenbar an. Sogar von einer "Corbymania" war die Rede. Der neue Labour-Chef fordert ein Ende der Sparpolitik, will geschlossene Kohlebergwerke wieder öffnen und große Teile der britischen Infrastruktur verstaatlichen.

Angetreten war er gegen seine Parteikollegen Andy Burnham, Yvette Cooper und Liz Kendall. Alle drei standen eher dem wirtschaftsfreundlichen "New Labour"-Konzept nahe. Das hatte Tony Blair bis zum Jahr 2007 als Regierungschef vertreten. Corbyn hatte dagegen immer wieder Kritik daran geübt. Vor der Urwahl hatte Blair mehrfach gegen Corbyn Front gemacht. Der Ex-Premier verglich die Corbyn-Bewegung in seiner Partei mit der griechischen Syriza-Partei.

Schon im Juli hatte Blair gestichelt, Genossen, deren Herz für Corbyn schlage, sollten besser über eine Organtransplantation nachdenken. Und tatsächlich: Es wird erwartet, dass sich mehrere Mitglieder des sogenannten Schattenkabinetts der Opposition nach Corbyns Wahlsieg zurückziehen, weil sie mit der neuen inhaltlichen Ausrichtung der Partei nicht zufrieden sind. So erklärte bereits Jamie Reed seinen Rücktritt. Er hätte im Fall einer Labour-Regierung Gesundheitsminister werden sollen.

chs