Landung in Tripolis Libyer jubeln todkrankem Lockerbie-Attentäter zu

Wie ein Held wurde der Lockerbie-Attentäter Mikrahi bei seiner Ankunft in Libyen gefeiert. Er darf zum Sterben in die Heimat zurückkehren. US-Präsident Obama kritisierte die Freilassung als "Fehler" - und forderte, Mikrahi unter Hausarrest zu stellen.

dpa

Washington/Tripolis - Heftige Reaktionen auf die Freilassung des Lockerbie-Attentäter Mikrahi: Mit Fahnen hießen Anhänger ihn in Libyen willkommen. Am Donnerstagabend landete der 57-Jährige in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Die USA hingegen kritisierten die Begnadigung Mikrahis scharf. "Wir waren dagegen und wir glauben, es war ein Fehler", sagte US-Präsident Barack Obama in einem Rundfunkinterview.

Der ehemalige Geheimdienstagent Mikrahi wurde wegen des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie 1988 verurteilt worden. Weil er an Prostatakrebs im Endstadium leidet, begnadigte ihn der schottische Justizminister. Kurz darauf durfte Mikrahi in seine Heimat Libyen zurückkehren.

Hunderte junger Menschen winkten bei ihm seiner Ankunft auf dem Flughafen mit schottischen und libyschen Fahnen zu. Bei seinem Flug in einem Privatjet des libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi wurde er von dessen Sohn Saif al-Islam al-Gaddafi begleitet.

Die euphorische Begrüßung Mikrahis wurde in den USA sehr kritisch aufgenommen - diese hatten zuvor gefordert, den Libyer nicht als Helden willkommen zu heißen. US-Präsident Obama bekräftige, man solle ihn unter Hausarrest stellen. Die USA würden genau beobachten, wie Libyen reagiere, sagte ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums. Die Affäre könne einen Einfluss auf die künftigen Beziehungen zwischen Tripolis und Washington haben.

"Tief enttäuscht" zeigte sich Außenministerin Hillary Clinton. Der Attentäter hätte seine Strafe absitzen sollen, sagte sie. Angehörige amerikanischer Opfer des Lockerbie-Anschlags äußerten sich verbittert über die Entscheidung der schottischen Justiz.

Schottlands Justizminister Kenny MacAskill hatte vor der Freilassung an den schlimmsten Terroranschlag in der Geschichte Großbritanniens erinnert: "Er zeigte kein Mitleid mit den Opfern", sagte er mit Blick auf Mikrahi. Und viele Wunden, die er den Familien der Opfer zugefügt habe, würden nie verheilen. "Daher werden viele mit meiner Entscheidung nicht einverstanden sein." Aber die Krankheit sei "unheilbar", Mikrahi stehe nun vor der "Strafe einer höheren Gewalt": "Er wird bald sterben".

Der verurteilte Attentäter selbst beteuerte in einer Stellungnahme seine Unschuld, sprach den Hinterbliebenen der Opfer sein Mitgefühl aus und nannte seine Verurteilung wegen des Terroranschlags eine "Schande". Ärzte hatten ihm nur noch drei Monate zu leben gegeben.

kgp/dpa/AFP/Reuters

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