Lange Schlangen in Frankreich Bürger mit Wahlmaschinen überfordert

In Frankreich sind erstmals in großem Stil elektronische Wahlmaschinen bei einer Präsidentschaftswahl eingesetzt worden. Viele Wähler waren überfordert, teilweise bildeten sich lange Schlangen.


Issy-les-Moulineaux - In der Pariser Vorstadt Issy-les-Moulineaux und anderen Orten bildeten sich Schlangen mit teils einer Stunde Wartezeit. "Viele ältere Leute verstehen nicht, wie das funktioniert", berichtete ein 40-jähriger Wähler. "Also annulliert man, fängt noch einmal an, die anderen warten."

Vielerorts gab es nur eine Maschine statt zuvor vier oder fünf Wahlkabinen. Teilweise zogen Wahlberechtigte unverrichteter Dinge davon. In Wahlbüros der Champagner-Metropole Reims begann der Urnengang wegen Problemen bei der Verkabelung mit Verspätung.

Insgesamt konnten 1,5 der 44,5 Millionen wahlberechtigten Franzosen elektronisch abstimmen.

Der Forscher Gabriel Michel vom Psychologie-Labor im ostfranzösischen Metz forderte ein Verbot des elektronischen Votums. Er schätzte, ein Viertel dieser Wähler könnte sich bei der Bedienung der Maschinen irren. Dies entspreche 375.000 Wählern, betonte Michel. Vor allem ältere Menschen und Behinderte drohten diskriminiert zu werden.

In fast allen Orten mit Wahlmaschinen bildeten sich Protestbewegungen. Mehrfach zogen Gegner vor Gericht. Sie fürchten, dass die im Schnitt 4000 Euro teuren Geräte durch Hacker manipuliert werden oder Fehler bei der Stimmabgabe produzieren können.

ler/AFP



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