Ivorischer Ex-Präsident Gbagbo Freispruch aus Mangel an Beweisen

Laurent Gbagbo wurden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Doch der Internationale Strafgerichtshof hat den früheren Präsidenten der Elfenbeinküste jetzt überraschend freigesprochen.

Laurent Gbagbo
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Laurent Gbagbo


Sieben Jahre nach seiner Festnahme hat das Weltstrafgericht in Den Haag die Freilassung von Laurent Gbagbo angeordnet. Der 73-jährige Ex-Staatschef der Elfenbeinküste musste sich seit 2016 wegen schwerster Verbrechen nach der Präsidentenwahl 2010 vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten.

Die Anklage habe nicht genügend Beweise vorgelegt, urteilten die Richter und gaben damit einem Antrag der Verteidiger statt. Der Freispruch ist ein schwerer Rückschlag für die Anklage. Auch der mitangeklagte frühere Jugendminister Charles Blé Goudé wurde von allen Anklagepunkten freigesprochen.

Gbagbo war das erste ehemalige Staatsoberhaupt, dem das Weltstrafgericht den Prozess gemacht hatte. Die Anklage kann Berufung gegen das Urteil einlegen.

Die Anklage lastete Gbagbo unter anderem die Verantwortung für Morde und Vergewaltigungen in dem westafrikanischen Land an. Er hatte 2010 die Präsidentenwahl verloren, sich aber geweigert, für seinen Nachfolger Präsident Alassane Ouattara Platz zu machen. Bei dem bis April 2011 dauernden Konflikt waren rund 3000 Menschen getötet worden.

als/dpa



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Papazaca 16.01.2019
1. Für fast alle war Gbagbo schuld am Bürgerkrieg
Das Gericht hat sich verstrickt und Afrika und die Beweislage unterschätzt. War alles ja auch schwer zu durchschauen, weil Gbagbo sich ziemlich lange mit den Rebellen in Bouake arrangierte und Soro zu seinem Premierminister macht. Nur reichte den Rebellen dieser Teil der Macht irgendwann nicht mehr, weil sie sicher waren, die Macht entweder durch Wahlen oder militärisch gewinnen würden. Zudem hatte Gbagbo mit den Franzosen gebrochen. Die halfen dann den Rebellen im dann ausbrechenden Bürgerkrieg und bombten Gbagbo aus seinem Bunker unter dem Palast. Der kam dann buchstäblich in Unterhosen raus und war dem Nervenzusammenbruch nahe. Und die Verbrechen? Die haben alle begangen, zusammen, gegeneinander - alles nach den vielen Jahren schwer zu beweisen. Außerdem haben viele Zeugen Angst, nach einer Aussage umgebracht zu werden. So ist das einzige Trost, das im Moment in der Cote D'Ivoire Frieden herrscht, mit den Gbagbo-Parteien in der Opposition. Wenn Gbagbo's Freispruch aus Mangel an Beweisen zum Frieden weiter beiträgt, hätte alles auch sein Gutes.
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