Lebenszeichen in Kolumbien Video von entführter Politikerin Betancourt aufgetaucht

Botschaft aus dem Dschungel: Erstmals seit Jahren gibt es wieder ein Lebenszeichen von der in Kolumbien verschleppten Ingrid Betancourt. Bei der Festnahme von Rebellen wurde ein Video der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin gefunden.


Bogota/Paris - Zum ersten Mal seit vier Jahren ist ein Lebenszeichen der in Kolumbien entführten Politikerin Ingrid Betancourt aufgetaucht. Die Regierung in Bogota zeigte heute ein bei Mitgliedern der Rebellenorganisation FARC sichergestelltes Video. Darauf ist die 45-Jährige im Dschungel zu sehen: Abgemagert, mit apathischem Blick und offenbar gefesselt. Das gestern sichergestellte Band ist fünf Wochen alt.

Die in Frankreich lebende Familie Betancourts reagierte betroffen, aber auch erleichtert, und forderte den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe zu Verhandlungen mit den Rebellen auf. "Er muss jetzt sehr schnell handeln", sagte Betancourts Sohn Lorenzo. Von einem "unleugbaren Lebensbeweis" sprach der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. "Das Video ermutigt uns, die Bemühungen um ihre Freilassung zu verstärken.

Betancourt, die auch die französische Staatsbürgerschaft hat, wurde im Februar 2002 während ihres Wahlkampfes um die kolumbianische Präsidentschaft von den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) verschleppt. Zuletzt war im August 2003 ein Video mit ihr aufgetaucht.

Insgesamt fünf Bänder seien bei der Festnahme von drei mutmaßlichen FARC-Mitgliedern am Donnerstagabend beschlagnahmt worden, sagte der kolumbianische Unterhändler Luis Carlos Restrepo. Neben Betancourt sind darauf drei US-Bürger zu sehen. Die Aufnahmen Betancourts stammen demnach vom 24. Oktober, die der Amerikaner von Anfang des Jahres. Die Truppen fanden auch mehrere Briefe der Geiseln, darunter einen Brief Betancourts an ihre Mutter

"Die Bilder sind traurig, aber sie ist am Leben"

Die FARC halten etwa 50 Geiseln zum Teil seit Jahren fest. Im Austausch für die Verschleppten verlangen die Rebellen die Freilassung hunderter inhaftierter Gesinnungsgenossen. Ein Vermittlungsversuch des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez scheiterte in der vergangenen Woche, als ihm Uribe das Mandat entzog. Direkte Verhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und den Guerilleros wurden schon im Jahr 2002 abgebrochen.

Sarkozy erklärte, er werde nun mit Uribe sprechen, um einen neuen Anlauf zur Befreiung der Geiseln zu unternehmen. Außenminister Bernard Kouchner sagte, es sei "so wichtig wie nie zuvor, jetzt eine Lösung zu finden."

"Das sind traurige Bilder, aber sie ist am Leben", sagte die Schwester der Entführten, Astrid Betancourt, dem französischen Sender LCI. "Ich bin sehr bewegt von den Aufnahmen." Sie glaube, dass die FARC das Video an Chávez hätten übergeben wollen, der einen Lebenszeichen Betancourts gefordert hatte. "Seine Vermittlungsversuche waren effektiv." Betancourts Sohn Lorenzo reagierte erleichtert: "Seit vier Jahren habe ich darauf gewartet", sagte er dem Sender Europe-1. "Glücklicherweise haben die FARC eine menschliche Seite. Sie haben erkannt, dass sie unbedingt ein Lebenszeichen meiner Mutter liefern mussten."

phw/AP/dpa



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