Verunglückter polnischer Präsident Fremde Leichenteile im Grab von Präsident Kaczynski

Seit dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine 2010 ranken sich Verschwörungstheorien um das Unglück. Die Leiche des Präsidenten Lech Kaczynski wurde deshalb exhumiert. Nun fanden die Ermittler fremde Leichenteile in dessen Sarg.

Jaroslaw Kaczynski am Sarg seines Zwillingsbruders Lech Kaczynski
REUTERS

Jaroslaw Kaczynski am Sarg seines Zwillingsbruders Lech Kaczynski


Der polnische Präsident Lech Kaczynski war 2010 in einer Tupolew-154 auf dem Weg zur Gedenkfeier zum Massaker von Katyn bei Smolensk tödlich verunglückt. Beim Landeversuch stürzte das Flugzeug ab. Lech Kaczynski und 95 weitere Passagiere kamen ums Leben.

Um den Absturz ranken sich viele Verschwörungstheorien. Lechs Zwillingsbruder Jaroslaw Kaczynski, Chef der Regierungspartei PiS, ist überzeugt: Der Absturz sei auf einen Anschlag zurückzuführen. Mehr als sechs Jahre nach dem Unglück gab er das Einverständnis für die Exhumierung der Leiche des ehemaligen Präsidenten.

Die Untersuchungen zeigen nun: Im Grab von Lech Kaczynski befinden sich Leichenteile von zwei weiteren Menschen. Darüber hatte zunächst die "Märkische Oderzeitung" (MOZ) berichtet.

Leichenteile von sieben Menschen in einem Sarg

Laut dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt Marek Pasionek wurden weitere Tote fehlerhaft identifiziert. In einem Sarg seien sogar Überreste von sieben Menschen gewesen.

Die Fehler bei der Identifizierung der Absturzopfer seien ein Skandal, sagte die Sprecherin der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Beata Mazurek, nach Angaben der Agentur PAP. Sie machte die Vorgängerregierung für die Fehler verantwortlich.

Seit Jahren werfen PiS-Mitglieder der damaligen Regierung von Donald Tusk Nachlässigkeit bei den Ermittlungen vor. Seit ihrem Regierungsantritt 2015 lassen die Nationalkonservativen den Fall neu ermitteln und alle Opfer exhumieren.

Regierungskritiker unterstellen der PiS, die Katastrophe zur Diskreditierung ihrer Vorgänger zu nutzen. Die Opposition warf der Staatsanwaltschaft vor, selektiv und zum Vorteil der Regierenden zu informieren. Die Behörden hätten nicht gesagt, wer für die Fehler verantwortlich sei oder Erkenntnisse zur Anschlagstheorie geliefert.

koe/dpa

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