Prozess in Polen Walesa und Kaczynski unversöhnlich vor Gericht

Einst waren sie enge Verbündete, dann überwarfen sich Lech Walesa und Jaroslaw Kaczynski. Es ging um den Flugzeugabsturz vor acht Jahren in Smolensk, bei dem Kaczynskis Bruder Lech starb. Seither streiten beide vor Gericht.

Lech Walesa (l) und Jaroslaw Kaczynski
AFP

Lech Walesa (l) und Jaroslaw Kaczynski


Lech Walesa und Jaroslaw Kaczynski bleiben zerstritten. Der ehemalige polnische Präsident und der Chef der konservativen Regierungspartei sahen sich wegen eines Diffamierungsprozesses vor Gericht und haben eine Schlichtung abgelehnt.

Kaczynskis Bruder und Staatschef Lech Kaczynski war bei einem Flugzeugabsturz vor acht Jahren ums Leben gekommen. Bei dem Streit geht es um einen Facebook-Eintrag Walesas, in dem er Kaczynski vorwirft, für die Flugzeugkatastrophe verantwortlich gewesen zu sein.

Der ehemalige Solidarnosc-Chef beschuldigte seinen Widersacher auch im Prozess erneut, trotz extremer Wetterbedingungen den riskanten Landeanflug im russischen Smolensk "angeordnet" zu haben. Der Pilot soll wegen dichten Nebels den Präsidenten um eine Entscheidung zu einem Ausweichflughafen gebeten haben. Dieser soll mit seinem Bruder telefoniert haben. Der Inhalt des Telefonats wurde jedoch nicht veröffentlicht.

Kaczynski hatte sich offen für Vergleich gezeigt

Die Vorwürfe seien "besonders beleidigend" für jemanden, der einen Angehörigen, gar einen eineiigen Zwilling, verloren habe, sagte Kaczynski. Er hatte sich offen gegenüber dem vom Richter vorgeschlagenen Vergleich gezeigt. Dieser sah vor, dass Walesa seine Vorwürfe zurücknehme, was der aber ablehnte.

Kaczynski versäumte es nicht, Walesa ein "intellektuelles Defizit" zu unterstellen und als "Gefahr für die Demokratie in Polen" zu bezeichnen. Er fordert von Walesa eine Entschuldigung und 30.000 Zloty (7000 Euro) Schmerzensgeld - zu zahlen an eine gemeinnützige Einrichtung. Das Gericht in Danzig hat eine Entscheidung für den 6. Dezember angekündigt.

sth/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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kochra8 24.11.2018
1. Emotiver Überschwang
Die Volksmeinung ist leicht zu manipulieren mit sozioemotiven Aspekten. Deswegen wird heute sogar Werbung für eine gesunde Umwelt auszustrahlen verboten. Und global agiert man so schon lange gegen die Wahrheit (siehe Evidenz = Klarheit). Walesa will bloß Fakten, die verwehrt bleiben (warum eigentlich). Politisch korrekt wäre Ehrlichkeit und Transparenz. Leider wird zusehends untergraben, dass sich die Volksmeinung gegen eine solch aufgehalste Pseudo-'Correctness' wehrt... Weil verschleiern ist nicht korrekt!
Vilnia 08.12.2018
2. Die Opposition ist schwach - die Justiz ebenso...
Kaczynski hat die Opposition während einer Parlamentssitzung vom Rednerpult angeklagt, die Verantwortung für den Tod seines Bruders und der anderen Smolensk-Opfer zu tragen: "Ihr habt meinen Bruder ermordet...!" Ein anschl. Gerichtsverfahren führte zu nichts: Der Richter erläuterte, dass Kaczynski ja keine bestimmte Person gemeint und genannt habe. Das sei dann nicht sanktionierbar...
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