Lesbos Obdachlose Flüchtlinge sollen auf Fähren unterkommen

Ein Feuer hat auf Lesbos eine Flüchtlingsunterkunft zerstört und Hunderte obdachlos zurück gelassen. Der Großteil von ihnen sollen nun auf Fähren untergebracht werden.

Flüchtlinge auf Lesbos
AFP

Flüchtlinge auf Lesbos


Hunderte Flüchtlinge sind nach einem Brand in einem Auffanglager auf der griechischen Insel Lesbos obdachlos - eine Fähre soll ihnen nun als provisorische Unterkunft dienen. Das sagte der für die Handelsmarine zuständige griechische Minister Theodoros Dritsas dem Radiosender Praktorio.

Die Fähre im Hafen der Hauptstadt habe eine Kapazität von 1000 Plätzen und solle am Mittwoch in Richtung Mytilini ablegen, sagte er. Vor allem Familien sollten auf dem Schiff untergebracht werden. Wenn es nötig sei, werde noch ein zweites Schiff geschickt, fügte Dritsas laut dem britischen Sender BBC hinzu.

Am Montagabend hatte ein großes Feuer ein Flüchtlingslager auf Lesbos stark beschädigt. Tausende Menschen sind nun obdachlos. Ersten Erkenntnissen zufolge legten Bewohner des völlig überfüllten Lagers Moria an verschiedenen Stellen Feuer, so dass der sogenannte Hotspot zu mehr als 60 Prozent zerstört wurde. Anschließend machten sich die Menschen auf den Weg zum Hafen der Insel.

"Angesichts des überfüllten Lagers war es nur eine Frage der Zeit, bis das passiert"

Die Situation könne jederzeit wieder eskalieren, warnte Bürgermeister Spyros Galinos. "Angesichts des überfüllten Lagers war es nur eine Frage der Zeit, bis das passiert", sagte Galinos. "Wenn die Situation nicht umgehend entschärft wird, werden wir sicher wieder neue, noch schlimmere Vorfälle erleben."

Die griechische Polizei geht davon aus, dass Flüchtlinge und Migranten für die Brandstiftung verantwortlich sind. Am Dienstagmorgen wurden 18 Personen aus Afghanistan, Senegal, Syrien und anderen Ländern festgenommen, wie die Athener Tageszeitung "Kathimerini" berichtete.

Zuvor war Medienberichten zufolge im Hotspot das Gerücht herumgegangen, es stünde eine weitere Auslieferungsrunde von Flüchtlingen und Migranten an die Türkei bevor. Daraufhin begannen demnach die Proteste und Krawalle.

Weil alle Flüchtlinge, die nach dem 20. März illegal nach Griechenland eingereist sind, vor ihrer Abschiebung in die Türkei Asyl beantragen können und die Verfahren sich in die Länge ziehen, wurden erst rund 500 Menschen zurückgeschickt. Neuankömmlinge werden auf Lesbos sowie auf Kos, Leros, Samos und Chios festgehalten, so dass die Auffanglager schon seit Monaten überfüllt sind. In Moria auf Lesbos sollten 1500 Menschen Platz finden - zuletzt harrten dort mehr als doppelt so viele Flüchtlinge aus.

Mehr als 500 Bürger hatten am Wochenende gegen den überfüllten Hotspot protestiert, darunter auch Mitglieder der rechtsextremistischen griechischen Partei "Goldene Morgenröte".

kry/dpa



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