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19. November 2013, 09:10 Uhr

Libanon

Viele Tote bei Anschlag auf iranische Botschaft in Beirut

Die libanesische Hauptstadt Beirut ist von schweren Explosionen erschüttert worden. Ziel des Angriffs war die iranische Botschaft. Sicherheitskräfte berichten von zahlreichen Todesopfern. Unter ihnen ist auch Teherans Kulturattaché. Eine sunnitische Terrorgruppe übernahm die Verantwortung.

Beirut - Bei einem Anschlag auf die iranische Botschaft im Libanon sind mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 140 weitere verletzt worden. Diese Zahlen nannte das libanesische Gesundheitsministerium. Nach Angaben von Sicherheitskräften soll eine Autobombe nahe dem Gebäude im Süden der Hauptstadt Beirut detoniert sein.

Augenzeugen berichten von insgesamt zwei Explosionen, die sich im Abstand von etwa zwei Minuten ereignet hätten. Der Botschaftsbau soll beschädigt worden sein. Erste Fernsehbilder vom Tatort zeigten schwere Schäden in dem Gebiet. Eine dichte Rauchsäule steht über dem Viertel.

Iranische Diplomaten und libanesische Sicherheitskräfte bestätigten am Dienstag, dass auch der iranische Kulturattaché Ibrahim al-Ansari bei dem Attentat getötet wurde. Irans Botschafter Ghadanfar Rukn Abadi machte in einer ersten Stellungnahme "zionistische Agenten" für die Tat verantwortlich.

Via Twitter übernahmen die "Abdullah-Azzam-Brigaden" die Verantwortung für den Anschlag. Die Gruppe unterhält enge Kontakte zum Qaida-Netzwerk in der Region. Ein Sprecher kündigte an, dass die Angriffe gegen Iran und seine Verbündeten fortgesetzt würden, bis sich die Hisbollah aus Syrien zurückziehe. Die USA stufen die Azzam-Brigaden seit Mai 2012 als Terrororganisation ein.

Anschlag vor den Atomverhandlungen in Genf

Der Fernsehkanal der Hisbollah, al-Manar, sowie die staatliche Nachrichtenagentur berichteten, es habe sich zunächst ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in die Luft gesprengt, anschließend sei eine Autobombe detoniert. Sicherheitskameras sollen die Täter aufgezeichnet haben.

Irans Botschaft befindet sich nahe der Stadtviertel von Beirut, die von der mit Teheran verbündeten Hisbollah-Miliz kontrolliert werden. In diesen Stadtteilen hatten sich in diesem Jahr bereits mehrere Bombenanschläge ereignet, für die syrische Rebellen verantwortlich gemacht wurden. Mindestens ein weiterer Anschlag konnte in letzter Minute verhindert werden. Iran und die Hisbollah gehören im syrischen Bürgerkrieg zu den wichtigsten Verbündeten des Diktators Baschar al-Assad.

Der Anschlag ereignete sich einen Tag bevor Iran und die sogenannten P5+1-Staaten in Genf die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm wieder aufnehmen. Zuletzt hatten sich beide Seiten im Nuklearkonflikt angenähert.

syd

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