Libanon Bombenanschlag erschüttert christliches Geschäftsviertel

Im Libanon ist am Abend zum vierten Mal innerhalb von zwei Wochen eine Bombe in einem christlichen Viertel explodiert. Die Detonation erschütterte ein Wohn- und Geschäftsgebäude in dem Ort Broummana nordöstlich von Beirut. Zwölf Personen wurden verletzt.


Bergung der Opfer: Die Explosion forderte zwölf Verletzte
REUTERS

Bergung der Opfer: Die Explosion forderte zwölf Verletzte

Beirut/Hamburg - Betroffen war das Einkaufszentrum "Risk Plaza" in dem Bergort 20 Kilometer nordöstlich von Beirut. Laut der Nachrichtenagentur AP ist unter den Verletzten auch ein amerikanischer Journalist.

Ein Reporter von SPIEGEL ONLINE war bereits kurze Zeit nach dem Anschlag vor Ort und berichtete von dem Geschehen. Demnach war die Bombe in der Garage eines fünfstöckigen Hauses mit Geschäften und Wohnungen deponiert gewesen. Mehrere Geschäfte wurden zerstört, auch in benachbarten Gebäuden gingen Scheiben zu Bruch. Mehrere Autos fingen Feuer, bis in Nachbarstraßen hinein war das Pflaster mit Glassplittern übersäht. Sanitäter evakuierten die Bewohner. Das landesweite Mobiltelefon-Netz brach zeitweise zusammen.

Ein christlicher Anwohner, der die Detonation in unmittelbarer Nähe miterlebt hatte, verurteilte den Anschlag gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Das ist eine Katastrophe für unser Land. Und für unsere Wirtschaft ist das ein Knockout", sagte der Mann, der in der Tourismusbranche arbeitet.

Hunderte von Anwohnern versammelten sich am Schauplatz des Anschlags, der von Soldaten der libanesischen Armee abgesperrt wurde. Viele Menschen hatten Tränen in den Augen. Auf den Balkons der benachbarten Wohnhäuser drängten sich verängstigte Menschen. Einige von ihnen hängten bereits eine Stunde nach dem Anschlag libanesische Fahnen aus ihren Fenstern, um ihre Solidarität mit den Opfern zu zeigen und ein Zeichen für die Einheit des Landes zu setzen.

"Die nationale Einheit bewahren"

Broummana ist ein beliebter Ferienort, in dem sich in den Sommermonaten auch viele Golfaraber aufhalten. Wäre die Bombe tagsüber explodiert, hätte die Opferzahl vermutlich deutlich höher gelegen.

Anschlag bei Beirut: Soldaten inspizieren den Tatort
REUTERS

Anschlag bei Beirut: Soldaten inspizieren den Tatort

Ein oppositioneller Parlamentsabgeordneter aus Beirut, der an den Ort des Geschehens geeilt war, verurteilte den Gewaltakt. "Diese Anschläge müssen schnell aufhören, und unser Kampf für die Demokratie muss weitergehen", sagte Ghassan Muchaibar zu SPIEGEL ONLINE. "Wir müssen die nationale Einheit bewahren und dürfen keine Spaltung der libanesischen Gesellschaft dulden", forderte er.

Der oppositionelle Drusen-Politiker Walid Dschumblatt machte laut der Nachrichtenagentur Reuters den von Syrien unterstützten libanesischen Geheimdienst für den Anschlag verantwortlich.

Seit der Ermordung von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri am 14. Februar wird das arabische Land von einer Anschlagserie heimgesucht. Dabei wurden zwei Menschen getötet und 26 verletzt. Bislang wurde noch keiner der Anschläge aufgeklärt. Die Opposition macht syrische Geheimdienstkreise und deren libanesische Verbündete im Sicherheitsapparat für die Gewalt verantwortlich.

Beobachter befürchten, dass der Libanon, in dem in den achtziger Jahren ein verheerender Bürgerkrieg wütete, wieder in ein gewalttätiges Chaos abgleiten könnte. In dem kleinen Land leben zahlreiche muslimische und christliche Konfessionen auf engstem Raum nebeneinander.



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