Proteste Demonstranten im Libanon errichten Straßensperren

Die Ankündigung einer WhatsApp-Gebühr war der unmittelbare Auslöser. Inzwischen dauern die Proteste im Libanon seit elf Tagen an. Mit Straßenblockaden legten die Demonstrierenden wichtige Verkehrsrouten lahm.

Demonstranten in der libanesischen Hauptstadt Beirut haben eine große Straße besetzt und sitzen auf der Fahrbahn auf mitgebrachten Sofas und auf Teppichen: Seit Tagen kommt es im Libanon zu Massenprotesten gegen die Regierung
Hussein Malla/AP/dpa

Demonstranten in der libanesischen Hauptstadt Beirut haben eine große Straße besetzt und sitzen auf der Fahrbahn auf mitgebrachten Sofas und auf Teppichen: Seit Tagen kommt es im Libanon zu Massenprotesten gegen die Regierung


Aus Protest gegen die Regierung haben Demonstranten im Libanon massive Straßensperren errichtet. Hunderte kreuz und quer abgestellte Fahrzeuge blockierten die wichtigste Autobahn des Landes auf der Nord-Süd-Route sowie weitere Straßen. Mit Sitzstreiks und Barrikaden versperrten Demonstranten auch andere Verkehrsadern.

Bereits seit elf Tagen legt die Protestbewegung das öffentliche Leben im Libanon teilweise lahm. Die Demonstranten fordern eine vollständige Ablösung der Regierung. (Mehr zu den Protesten lesen Sie hier.) Politische Zugeständnisse von Ministerpräsident Saad Hariri konnten die Proteste bislang nicht eindämmen.

Erwartet wurde, dass die Sicherheitskräfte einen erneuten Versuch zur Vertreibung der Demonstranten von den Straßen unternehmen würden. Am Wochenende war das Militär mit der Auflösung der Blockaden am Widerstand der Demonstranten gescheitert.

Unter den Demonstranten: Vertreter aller Religionsgruppen

Die Protestbewegung im Libanon mobilisiert seit Tagen Vertreter aller Religionen und Altersgruppen. Am Sonntag beteiligten sich Zehntausende Libanesen an einer 170 Kilometer langen Menschenkette quer durch das Land. Rund 100.000 Männer, Frauen und Kinder hielten sich von Tripoli im Norden bis Tyros im Süden an den Händen.

Die Proteste hatten sich am 17. Oktober an der Ankündigung der Regierung entzündet, WhatsApp-Anrufe zu besteuern. Inzwischen richten sie sich jedoch generell gegen Korruption, Misswirtschaft und die Eliten des Landes, denen es in den 30 Jahren seit Ende des Bürgerkriegs nicht gelungen ist, den Alltag der Menschen zu verbessern.

asa/AFP



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