Libanon Erstes italienisches Kontingent gelandet

Die ersten italienischen Soldaten zur Unterstützung der Uno-Friedenstruppe im Libanon sind heute an Land gegangen. Wegen schwerer See mussten viele per Helikopter geflogen werden. Die Bundesregierung will morgen verkünden, wieviele deutsche Soldaten an der Mission teilnehmen werden.


Beirut/Rom/Ankara - Die Italiener gingen südlich von Beirut an Land. Das Kontingent war am Freitag mit fünf Kriegsschiffen in der Hafenstadt Tyrus angekommen. Mehrere Dutzend der insgesamt 880 Soldaten wurden mit Hubschraubern zu zwei Strandabschnitten geflogen - die See war am Morgen für eine Landung mit Booten zu stürmisch. Die Gegend um die Strände sei während der Anlandeaktion von libanesischen Einheiten kontrolliert worden, hieß es.

Die italienischen Soldaten wurden in einem Konvoi zu ihrer Militärbasis in einer Kaserne der libanesischen Streitkräfte 25 Kilometer östlich von Tyrus gebracht.

Italien will im Rahmen der "Operation Leonte" innerhalb von vier Monaten insgesamt 2450 Soldaten in den Libanon entsenden. Leonte ist der antike Name des Flusses Litani, in dessen Umgebung das Kontingent stationiert werden soll. Weitere 120 Soldaten werden in den nächsten zehn Tagen erwartet. Die Truppen sollen die Unifil verstärken, die nach der Uno-Resolution 1701 den Waffenstillstand zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz überwachen soll. Italien will im Februar von Frankreich das Kommando der Uno-Truppe übernehmen.

Fristende um 12 Uhr

Auch andere Staaten setzen ihre Vorbereitungen für eine Truppenentsendung fort. Das Verteidigungsministerium in Berlin will morgen bekannt geben, wie viele deutsche Soldaten und welche Einheiten an dem Einsatz im Libanon beteiligt sein werden. "Wir werden reagieren, sobald die Anfrage des Libanon vorliegt", sagte Sprecher Thomas Raabe der "Welt am Sonntag".

Morgen um 12.00 Uhr endet die Frist, die die Bundesregierung der libanesischen Regierung gestellt hat, um die deutschen Soldaten anzufordern. Sollte die Anfrage bis dahin nicht in Berlin eingegangen sein, wird es am Montag keinen Kabinettsentscheid über die Entsendung der Truppe geben. Konkrete Zahlen über die Größe der Truppe wollte Raabe nicht nennen. Er sagte allerdings, die bisher höchste genannte Zahl von 1400 Soldaten, die der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, ins Spiel gebracht hatte, sei zu niedrig gegriffen.

In Ankara heißt es inzwischen, dass das türkische Parlament am kommenden Dienstag in einer Sondersitzung über eine Beteiligung der Türkei an der Unifil-Mission entscheiden wird. Vorgesehen seien vor allem die Entsendung von Marineverbänden und die Absicherung humanitärer Einsätze, berichten türkische Medien heute. Der von der Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan eingebrachte Antrag sieht darüber hinaus die Möglichkeit vor, dass andere an der Unifil beteiligte Länder türkische Häfen und Flughäfen benutzen dürfen. Trükische Zeitungen haben über eine Beteiligung von 800 bis 1200 Soldaten spekuliert. Die Regierung hat noch keine Zahlen genannt.

Auch eine Vorhut des belgischen Kontingents für die Friedenstruppe ist in die Krisenregion abgereist. Wie der flämische Rundfunk VRT heute meldete, sollen die drei Militärs die Lage erkunden und Unterkünfte für die knapp 400 Mann starke Einheit suchen.

ler/dpa/Reuters



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