Libanon Früherer geistlicher Anführer der Hisbollah ist tot

Das frühere geistliche Oberhaupt der Hisbollah im Libanon, Mohammed Hussein Fadlallah, ist tot. Der schiitische Großajatollah starb im Alter von 75 Jahren in Beirut. Hunderte Anhänger Fadlallahs pilgerten zu der Moschee, in der er für gewöhnlich seine Freitagspredigt hielt.

Trauer um den Großajatollah: Mohammed Hussein Fadlallah starb im Alter von 75 Jahren
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Trauer um den Großajatollah: Mohammed Hussein Fadlallah starb im Alter von 75 Jahren


Beirut - Der einflussreiche libanesische Schiiten-Geistliche Mohammed Hussein Fadlallah ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 75 Jahren. In den achtziger Jahren galt er als geistiger Führer der pro-iranischen Hisbollah-Bewegung im Libanon. Fadlallah war bereits am Freitag wegen eines Leberleidens und innerer Blutungen in ein Krankenhaus in der libanesischen Hauptstadt Beirut gebracht worden.

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri erklärte, der Libanon habe eine "große nationale und geistliche Autorität" verloren. Die Hisbollah-Miliz rief zu einer dreitägigen Trauer auf. Das Datum der Trauerfeier wurde zunächst nicht bekannt. Hunderte Anhänger Fadlallahs pilgerten zu der Moschee in Beirut, in der er für gewöhnlich seine Freitagspredigt hielt. Vor der Moschee und vor dem Krankenhaus, in dem er gestorben war, wurden Trauerflaggen aufgezogen. Tausende trauernde Anhänger ließen ihren Tränen freien Lauf. Fadlallahs Rundfunksender und der Fernsehsender der Hisbollah strahlten Koransuren aus.

In seinen Predigten rief er immer wieder zum bewaffneten Widerstand in den von Israel besetzten Palästinensergebieten auf und sprach Israel die Existenzberechtigung als Staat ab. Auch die Nahost-Politik der USA hatte er wiederholt offen kritisiert. Dennoch verurteilte der Geistliche stets Terrorakte.

Fadlallah war mehrmals Ziel von Attentaten. Darunter war ein verheerender Bombenanschlag in Beirut im März 1985, bei dem 80 Menschen getötet wurden. Hinter dem Angriff soll angeblich der US- Geheimdienst CIA gesteckt haben. Wie der derzeitige Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah stand er auf der US-Liste internationaler Terroristen.

Trotz seiner engen Verbindungen zu iranischen Führern hatte Fadlallah sich vom Vermächtnis des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Chomeini distanziert. So vertrat er die Auffassung, dass "kein schiitischer Religionsführer, nicht einmal Chomeini, ein Monopol auf die Wahrheit" gepachtet habe.

Fadlallah war auch bekannt für seine kühnen Fatwas: So sprach er etwa geschlagenen Ehefrauen das Recht zu, zurückzuschlagen. In einem anderen religiösen Gutachten verbot er das Rauchen.

Fadlallah war libanesischer Staatsbürger, obwohl er im irakischen Nadschaf geboren wurde, wo er auch Islamwissenschaften studierte, bevor er Anfang der fünfziger Jahre in den Libanon umsiedelte.

ler/dpa/AFP/AP



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noface 05.07.2010
1. Chance
Ich hoffe für die Libanesen und alle Bürger der Region, egal ob Jude, Muslim oder Christ, dass derjenige, der seinen Platz einnehmen wird (denn irgnedwer wird es über kurz oder lang tun) möglichst gemäßigt und versöhnlich eingestellt ist. Friedliches Miteinander sollte höchste Priorität haben, angesichts des Blutes, welches von allen Seiten schon geflossen ist.
MoonofA 05.07.2010
2. Falsch
Zitat von sysopDas frühere geistliche Oberhaupt der Hisbollah im Libanon, Mohammed Hussein Fadlallah, ist tot. Der schiitische Großajatollah starb im Alter von 75 Jahren in Beirut. Hunderte Anhänger Fadlallahs pilgerten zu der Moschee, in der er für gewöhnlich seine Freitagspredigt hielt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,704599,00.html
Es ist schlichtweg falsch zu schreiben Fadlallah sei der geistliche Anführer der Hisbullah. Die Hisbullah erkennt den iranischen Ajatollah Khamenei als ihren Marja (Quelle zur Nachahmung) an. Fadlallah hatte in den letzten Jahren mit Hisbullah wenig zu tun. Politisch interessant ist das Fadlallah der Marja der irakischen schiitischen Dawa Partei und von Premier Maliki war. Deren Umschwenken auf einen neuen Marja (aus Qom oder Najaf?) könnte wesentliche politische Auswirkungen haben.
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