Libanon Hisbollah-Anhänger greifen Demonstranten in Beirut an

In der libanesischen Hauptstadt Beirut sind regierungskritische Demonstranten und Anhänger schiitischer Organisationen zusammengestoßen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Lager zu trennen.

Demonstrant in Beirut: Sicherheitskräfte griffen ein und trennten die konkurrierenden Gruppen
Hussein Malla/AP/DPA

Demonstrant in Beirut: Sicherheitskräfte griffen ein und trennten die konkurrierenden Gruppen


In der libanesischen Hauptstadt Beirut hatten sich in der Nacht zum Montag Demonstranten an einer Straßenblockade versammelt. Dabei ging es zunächst friedlich zu, wie Fernsehbilder zeigten. Doch kurz darauf sollen Anhänger der schiitischen Hisbollah-Miliz und der verbündeten Amal-Bewegung die regierungskritischen Demonstranten angegriffen haben.

Den Aufnahmen des Zwischenfalls zufolge beschimpften sie die Demonstranten zunächst und riefen Parolen für die Anführer von Hisbollah und Amal-Bewegung. Anschließend griffen sie die Protestierenden an. Unweit der Straßenblockade zerstörten schiitische Gegendemonstranten ein Zeltlager der Protestbewegung.

Die Demonstranten forderten die Angreifer in Sprechchören auf, friedlich zu bleiben. Sicherheitskräfte und Soldaten stellten sich schließlich zwischen die beiden Lager. Dabei setzten sie Medienberichten zufolge Tränengas ein.

In Beirut kommt es seit mehr als einem Monat immer wieder zu Protesten gegen die politische Führung. Die Demonstranten beklagen vor allem Misswirtschaft und die grassierende Korruption. Die Regierung von Ministerpräsident Saad Hariri trat im Zuge der Proteste zurück. Zu ihr gehörten auch die eng mit dem ebenfalls schiitischen Iran verbundene Hisbollah und die Amal-Bewegung.

vks/dpa/AFP



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Faceoff 25.11.2019
1. Die Hisbollah hat was zu verlieren
Dass die islamistische Hisbollah gegen eine Bewegung vorgeht, welche u. a. die gegenwärtige Machtverteilung im Libanon in Frage stellt, verwundert nicht. Der Status Quo im Libanon ist für die Hisbollah sehr gut, jede Veränderung könnte die Position der Hisbollah schwächen. Solange die wirtschaftliche Situation der Libanesen schlecht ist, sind sie anfällig für politischen Radikalismus (auch den der Hisbollah). Themen, die für viele Libanesen heute wichtig sind (Neuordnung des politischen Systems, Wirtschaftsförderung, Verbesserung der Infrastruktur, etc.) stehen bei der Hisbollah nicht auf der Tagesordnung. Im Gegenteil. Die Hisbollah ist ein destruktiver Faktor für die ganze Region: - Regelmäßig liefert sie sich militärische Auseinandersetzungen mit Israel. - In Syrien hat die schwerbewaffnete Hisbollah in verlustreichen Kämpfen (vierstellige Opferzahl unter den Hisbollah-Kämpfern, darunter auch ein Bruder von Hisbollah-Chef Nasrallah) entscheidend dazu beigetragen, dass Diktator Assad nicht gestürzt wurde und dass nun auch Syrien als Basis für schiitische Terrororganisationen dient. - Im Libanon ist es ihr nicht zuletzt durch ihre militärische Stärke gelungen, zu einer Art Sperr-Minorität zu werden, gegen deren Willen nicht regiert werden kann.
jj2005 25.11.2019
2. Feltman
Zitat von FaceoffDass die islamistische Hisbollah gegen eine Bewegung vorgeht, welche u. a. die gegenwärtige Machtverteilung im Libanon in Frage stellt, verwundert nicht. Der Status Quo im Libanon ist für die Hisbollah sehr gut, jede Veränderung könnte die Position der Hisbollah schwächen. Solange die wirtschaftliche Situation der Libanesen schlecht ist, sind sie anfällig für politischen Radikalismus (auch den der Hisbollah). Themen, die für viele Libanesen heute wichtig sind (Neuordnung des politischen Systems, Wirtschaftsförderung, Verbesserung der Infrastruktur, etc.) stehen bei der Hisbollah nicht auf der Tagesordnung. Im Gegenteil. Die Hisbollah ist ein destruktiver Faktor für die ganze Region: - Regelmäßig liefert sie sich militärische Auseinandersetzungen mit Israel. - In Syrien hat die schwerbewaffnete Hisbollah in verlustreichen Kämpfen (vierstellige Opferzahl unter den Hisbollah-Kämpfern, darunter auch ein Bruder von Hisbollah-Chef Nasrallah) entscheidend dazu beigetragen, dass Diktator Assad nicht gestürzt wurde und dass nun auch Syrien als Basis für schiitische Terrororganisationen dient. - Im Libanon ist es ihr nicht zuletzt durch ihre militärische Stärke gelungen, zu einer Art Sperr-Minorität zu werden, gegen deren Willen nicht regiert werden kann.
Komisch, ich hatte eher den Eindruck, dass es hier eher um Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und Macron geht. Oder, wie es Ex-Botschafter Jeffrey Feltman kürzlich ausgedrückt hat, "the demonstrations and the reactions to them by Lebanese leaders and institutions fortunately coincide with U.S. interests". Dass die USA hinter den Saudis und deren sunnitischen Stellvertreter in der libanesischen Regierung stehen, ist ein offenes Geheimnis.
mbockstette 26.11.2019
3. Auftrag/Namen/Rechnung
Zitat von jj2005Komisch, ich hatte eher den Eindruck, dass es hier eher um Meinungsverschiedenheiten zwischen Trump und Macron geht. Oder, wie es Ex-Botschafter Jeffrey Feltman kürzlich ausgedrückt hat, "the demonstrations and the reactions to them by Lebanese leaders and institutions fortunately coincide with U.S. interests". Dass die USA hinter den Saudis und deren sunnitischen Stellvertreter in der libanesischen Regierung stehen, ist ein offenes Geheimnis.
Trump oder Macron? In wessen Auftrag, Namen, Rechnung lässt denn die Hisbollah auf friedliche Demonstranten einschlagen? Dieses Geheimnis sollten Sie auch noch lüften. BEIRUT, Libanon - Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri wurde am zweiten Tag eines Besuchs, der bereits weit von seinen Erwartungen entfernt war, um 8:30 Uhr in die saudischen königlichen Ämter gerufen. Mr. Hariri, lange ein Verbündeter der Saudis, trug an diesem Morgen Jeans und ein T-Shirt und dachte, er würde mit dem Kronprinzen Mohammed bin Salman in der Wüste campen. Stattdessen wurde er seiner Handys beraubt, von allen bis auf einen seiner üblichen Leibwächtergruppen getrennt und von saudischen Sicherheitsbeamten geschubst und beleidigt. Dann kam die ultimative Empörung: Ihm wurde eine vorgefertigte Kündigungsrede ausgehändigt, die er im saudischen Fernsehen lesen musste. Dies schien der wahre Grund zu sein, warum er einen Tag zuvor in die saudische Hauptstadt Riad eingeladen worden war: unter Druck zurückzutreten und dem Iran öffentlich die Schuld zu geben, als wäre er ein Angestellter und kein souveräner Führer. Bevor er ins Fernsehen ging, durfte er nicht einmal zu dem Haus gehen, das ihm dort gehörte. er musste Wachen bitten, ihm einen Anzug zu bringen. https://www.nytimes.com/2017/12/24/world/middleeast/saudi-arabia-saad-hariri-mohammed-bin-salman-lebanon.html
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