Libanon-Krieg Annan will Völkerrechtsverstöße prüfen

Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat den tödlichen Luftangriff Israels auf das libanesische Dorf Kana scharf kritisiert. Er forderte in diesem Zusammenhang eine umfassende Untersuchung möglicher Völkerrechtsverletzungen im Libanon-Krieg.


New York - Die Auswirkungen der Kämpfe auf die Zivilbevölkerung in beiden Ländern seien so schwerwiegend, dass eine Erhebung möglicher Verstöße nötig sei, sagte Annan bei der Vorstellung eines Berichts über den israelischen Luftangriff auf das südlibanesische Dorf Kana. Der Angriff spiegele die wachsende Tendenz wider, bei den gegenwärtigen Kämpfen im Libanon die internationalen Gesetze, einschließlich der Menschenrechte, zu missachten, so Annan in seinem vorläufigen Bericht an den Uno-Sicherheitsrat.

Das Gremium hatte den Generalsekretär mit einer Untersuchung des Bombardements beauftragt, bei dem nach ersten libanesischen Angaben mindestens 54 Menschen umgekommen sein sollen. Später gab die libanesische Regierung die Zahl der gefundenen Leichen aber mit 28 an, davon 14 Kinder. Allerdings könne die Zahl der Toten mit der Fortsetzung der Bergungsarbeiten noch steigen.

Israel bedauerte den Angriff in der vergangenen Woche, beschuldigte aber die Hisbollah, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Libanesische Behörden haben nach eigenen Angaben jedoch keine Anzeichen für Hisbollah-Aktivitäten in dem bombardierten Haus oder für den Abschuss von Raketen der Miliz aus der Umgebung gefunden.

Annan sagte, eine Woche sei zu kurz, um die Untersuchung abzuschließen. Der Angriff auf Kana am 29. Juli müsse im größeren Zusammenhang eines möglichen Schemas von Völkerrechtsverletzungen in dem aktuellen Konflikt gesehen werden. An die libanesische Hisbollah-Miliz und Israel appellierte er, sich an die internationalen Gesetze zu halten.

ler/Reuters/AFP



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