Libanon Langjährige Haftstrafen für Kofferbomber von Köln

Einer der beiden Kofferbomber von Köln ist im Libanon zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Eine lebenslange Haftstrafe sprachen die Richter gegen den Hauptangeklagten aus - in dessen Abwesenheit. Er steht seit heute in Düsseldorf vor Gericht.


Beirut - Knapp eineinhalb Jahre nach den gescheiterten Sprengstoffanschlägen auf zwei Regionalzüge in Köln hat ein libanesisches Gericht die beiden Kofferbomber zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Im Libanon verurteilt: Kofferbomber Dschihad Hamad (Mitte)
DPA

Im Libanon verurteilt: Kofferbomber Dschihad Hamad (Mitte)

Der in Beirut auf der Anklagebank sitzende Dschihad Hamad hatte gestanden, gemeinsam mit seinem Landsmann Youssef al-Hajdib im Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in Regionalzügen deponiert zu haben. Die Richter verurteilten ihn zu zwölf Jahren Gefängnis wegen versuchten Massenmordes. Hamad steht bereits seit April in Beirut vor Gericht.

Der gleichzeitig in Düsseldorf vor Gericht stehende Youssef al-Hajdib erhielt in Abwesenheit eine lebenslange Strafe, nachdem ein ursprüngliches Todesurteil abgemildert worden war. In Deutschland hat der Prozess gegen den Komplizen und mutmaßlichen Haupttäter heute im Düsseldorfer Oberlandesgericht begonnen.

Laut Bundesanwaltschaft soll Hajdib am 31. August 2006 im Kölner Hauptbahnhof gemeinsam mit dem später im Libanon festgenommenen Hamad die Sprengsätze in den Zügen deponiert haben. Nur aufgrund eines Konstruktionsfehlers waren die Kofferbomben nicht explodiert, die sonst wahrscheinlich viele Menschen getötet oder verletzt hätten.

Beide Männer waren von Videokameras im Kölner Hauptbahnhof gefilmt worden. Als Motiv vermuten die Ermittlungsbehörden Rache für die Verbreitung von Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed in westlichen Zeitungen. Ursprünglich waren diese in dem dänischen Blatt "Jyllands-Posten" abgedruckt worden.

Der Prozess vor dem OLG Düsseldorf soll mindestens bis Sommer 2008 dauern. Bereits jetzt sind Verhandlungstage bis zum 30. April terminiert. Das Gericht will eine Vielzahl von Zeugen hören und stellt sich auf ein kompliziertes Verfahren ein.

amz/ddp/dpa/Reuters



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