Libanon-Offensive USA forcieren Waffenlieferungen an Israel

Trotz internationalen Protests und trotz aller Deklarationen: Bislang deutet nichts auf ein Ende des militärischen Konflikts im Libanon hin. Im Gegenteil - nach einem Zeitungsbericht verstärkt die Schutzmacht Amerika die Lieferungen, um die Waffenkammern wieder aufzufüllen.

Washington - Vereinbart worden sei die Lieferung der Präzisionswaffen im vergangenen Jahr, schreibt die "New York Times" unter Berufung auf amerikanische Regierungsbeamte. Doch kurz nach dem Beginn der Luftangriffe auf die Hisbollah-Stellungen im Südlibanon habe die israelische Regierung Washington darum gebeten, schon früher damit zu beginnen. Experten werten das als Indiz dafür, dass Israel noch eine "lange Liste" von Zielen im Libanon hat.

Die Bush-Regierung brauchte nicht lange über das Ansinnen zu diskutieren. Im Grundsatz ist man sich einig, dass man nur aus einer starken Position heraus seinen Wunsch nach Frieden wirksam diktieren kann.

Und eine langfristige Friedenssicherung liegt dem US-Präsidenten sehr am Herzen, wie er in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache noch einmal bekräftigte. Die Krise könne aber nur gelöst werden, wenn die dafür verantwortliche Terroristengruppe und deren Unterstützerstaaten einlenken würden.

Den Weg zu einer langfristigen Friedenssicherung hatte Außenministerin Condoleezza Rice bereits gestern unzweideutig aufgezeigt. Ein sofortiger Waffenstillstand im Libanon-Konflikt sei keine Lösung, erklärte sie. Er würde lediglich die Rückkehr zum Status Quo und neue Gewalt bedeuten.

"Vollkommen normaler Vorgang"

Unter diesen Voraussetzungen erscheint die Vorverlegung des Liefertermins für die satelliten- und lasergeleiteten Bomben nur konsequent. Der "New York Times" zufolge sind sie Teil eines Multimillionen-Dollar-Pakets, das bis zu 100 Bomben vom Typ GBU-28 umfasst, die speziell dazu dienen, Betonbunker zu knacken.

Hohe Regierungsbeamte, die die Zeitung zitiert, beschreiben den Vorgang indes als vollkommen normal. Üblicherweise liege es nach Abschluss einer Waffenhandelsvereinbarung beim Käufer, einen Zeitplan für die Auslieferungen aufzustellen. Weniger normal sei, räumt ein anderer Beamter ein, Ersuchen nach Waffensendungen innerhalb weniger Tage zu entsprechen. Das sei geschehen, weil Israel ein Verbündeter sei.

Ganz unkompliziert ist die Angelegenheit für die USA nach Einschätzung der "NYT" dennoch nicht. Denn die Lieferungen könnten bei arabischen Regierungen und anderen Gruppen Verärgerung auslösen, weil der Eindruck entstehe, dass die USA Israel aktiv bei der Bombardierung unterstützten - in einer Weise, die mit den iranischen Hilfen für die Hisbollah verglichen werden könne.

Nicht zuletzt aus diesem Grunde, so mutmaßt die Zeitung, habe die US-Regierung bereits am Donnerstag mit Saudi-Arabien die Lieferung von militärischer Ausrüstung - unter anderem Ersatzteile für Panzer - in einem Umfang von mehr als sechs Milliarden Dollar vereinbart.

Wie es am Samstag in US-Medienberichten zur Nahost-Reise von Rice hieß, wurden Pläne auch für Besuche in arabische Staaten fallen gelassen, weil die ins Auge gefassten Länder dies angesichts der amerikanischen Ablehnung eines Waffenstillstands als problematisch empfunden hätten. Stattdessen solle es nun Kontakte im Rahmen und am Rande der Nahostkonferenz am Mittwoch in Rom geben. Rice und Bush kommen zudem morgen in Washington vor dem Abflug der Ministerin mit saudischen Spitzenpolitikern zusammen, darunter Außenminister Saud al-Faisal.

mik/"New York Times"

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