Fragwürdige Zuwendung Libanons Premier zahlte 16 Millionen Dollar an Bikini-Model

Libanons Regierungschef Hariri soll Millionen an ein Model überwiesen haben. Im Amt war er da zwar noch nicht, aber die Affäre kollidiert mit dem harten Sparkurs, den der Premier seinem Land zumutet.

Libanons Premier Hariri: "In absoluter Privatsphäre entspannen"
Bertrand Guay/ AFP

Libanons Premier Hariri: "In absoluter Privatsphäre entspannen"

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16 Millionen Dollar soll Libanons Premierminister Saad Hariri einem südafrikanischen Model überwiesen haben. Das berichtet die "New York Times" in Berufung auf Gerichtsunterlagen, die der Zeitung vorliegen. Das Model, Candice van der Merwe, musste darin offenlegen, woher die Millionen auf ihrem Konto plötzlich kamen. Laut der Unterlagen hatte sie zuvor mit Werbung für Energy-Drinks und Kalenderfotos in Bademode ein Jahreseinkommen von maximal 5400 Dollar generiert.

Die Überweisung des Geldes ist weder im Libanon noch in Südafrika rechtswidrig, allerdings kommt die Enthüllung für Hariri zur Unzeit: Dem hoch verschuldeten Libanon droht ein Staatsbankrott. Erst letzten Monat hatte der Premierminister angekündigt, einen "Wirtschaftsnotstand" auszurufen und harte Sparmaßnahmen verabschieden zu wollen. Schon da rechnete Hariri mit Protesten aus der Bevölkerung.

Nun könnte die Wut der Bürger über den Sparkurs noch heftiger ausfallen. Der Libanon gehört zu den Ländern mit der höchsten sozialen Ungleichheit der Welt. Immer mehr Libanesen leben in Armut - derzeit fast ein Drittel der Bevölkerung. Gleichzeitig gibt es einige wenige Milliardäre wie Hariri, dessen Vermögen zuletzt auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt wurde.

Model van der Merwe gab an, Hariri auf den Seychellen kennengelernt zu haben. Sie fing 2012 als 19-Jährige an, dort in einem exklusiven Resort zu arbeiten, dem Plantation Club. In ihrer eidesstattlichen Versicherung erklärte sie, dass die Anlage von "einigen der reichsten Individuen der Welt" besucht werde. "Es ist eine Art Spielplatz für die Superreichen, auf dem sie sich in absoluter Privatsphäre entspannen können." Dazu würden Models von Agenturen aus aller Welt eingeflogen, "um dem Ressort Glamour und Exklusivität zu verleihen".

Gabe eines "extrem reichen Gentleman aus dem Nahen Osten"

Sie habe sich im Plantation Club in Hariri verliebt, sagte van der Merwe vor Gericht. 2013 schrieb sie dem libanesischem Unternehmer, der seit Jahren in der Politik aktiv ist, in einer E-Mail "Ich liebe Dich, mein Saad", dazu gab sie ihre Kontodaten an. Wenig später gingen auf ihrem Konto 15.299.965 Dollar von einer libanesischen Bank ein. Sie kaufte davon Häuser im Wert von über 10 Millionen Dollar und gab der Immobilienfirma ihres Vaters einen Kredit über 2,7 Millionen Dollar. Doch dann schaltete sich Südafrikas Steuerbehörde ein.

Als Geschenk, ohne Gegenleistung, wäre die Überweisung in Südafrika steuerfrei. Darauf beharrt das Model. Van der Merwes Anwälte gaben an, das Geld sei die Gabe eines "extrem reichen Gentleman aus dem Nahen Osten" gewesen. Doch die Steuerbehörde hielt dies für unwahrscheinlich. Die Finanzermittler mutmaßten, dass für das Geld Gegenleistungen erbracht worden seien oder es eigentlich für die Immobilienfirma von van der Merwes Vater bestimmt gewesen sei. Die Behörde verlangte eine Steuernachzahlung und ließ das Vermögen der jungen Frau vorübergehend einfrieren. Daraufhin überwies Hariri ihr noch einmal eine Million Dollar, um für ihre Lebenskosten und das Gerichtsverfahren aufzukommen.

YouTube: Candice van der Merwe beim Shooting für den "FFM"-Kalender:

Hariri war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder libanesischer Premierminister - er war zwischen 2009 und 2011 im Amt und übernahm den Regierungsposten 2016 erneut. Als er van der Merwe angeblich kennenlernte, war er Chef der damaligen sunnitischen Oppositionspartei, verheirateter Vater von drei Kindern und in leitender Funktion bei verschiedenen Unternehmen tätig, unter anderem bei Saudi Oger, der Immobilienfirma der Hariri-Familie. Sein Vater, der 2005 ermordete Rafiq al-Hariri, hatte die Firma übernommen und dank Bauaufträgen der saudischen Königsfamilie zu einem Milliarden-Imperium aufgebaut.

Die US-Regierung macht zunehmend Druck

Doch zwischen den Hariris und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman kam es 2017 zum Bruch. Saudi Oger musste geschlossen werden. Seitdem muss Hariri offenbar sparen: Am 18. September kündigte er an, "schweren Herzens" seinen Fernsehsender im Libanon zu schließen. Seine Medien galten als politisches Gegengewicht zum Sender der libanesischen Hisbollah, mit der Hariri derzeit eine Koalitionsregierung führt.

Die US-Regierung macht allerdings zunehmend Druck auf den Premier, sich von der schiitischen Miliz zu distanzieren. Die USA stufen die mit Iran verbündete Gruppe als Terrororganisation ein.

Überraschend griffen die der Hisbollah nahestehenden Medien im Libanon die Enthüllung über Hariris "Geschenk" bisher kaum auf. Eine Zeitung mutmaßte jedoch, der Bericht der "New York Times" sei politisch motiviert, um Hariri zum Rücktritt zu zwingen und seine Koalitionsregierung zu beenden.

In Südafrika konnten sich van der Merwe und die Steuerbehörde 2016 auf einen Kompromiss einigen. Doch daran wollte sich das Model danach offenbar nicht mehr halten: Im Januar dieses Jahres verklagte sie Südafrika auf Schadenersatz - so wurde der Name des "extrem reichen Gentleman aus dem Nahen Osten" vor Gericht auf einmal publik. In ihrer Klage argumentierte van der Merwe, dass die Ermittlungen der Behörden dazu geführt hätten, dass ihre Karriere zerstört wurde und die Beziehung zu Hariri in die Brüche ging.

"Die Beziehung der Klägerin zu Herrn Hariri wurde beendet, was im Verlust finanzieller Vorteile resultierte, die ihr angefallen wären, wenn die Beziehung ohne Außeneinmischung hätte weiter bestehen können", hieß es in der Klageschrift. Die Anwälte des Models forderten 65 Millionen Dollar.

Die Klage wurde vergangenen Monat abgewiesen.



insgesamt 8 Beiträge
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freidenker! 01.10.2019
1. Plantationclub auf den Seychellen ...
Interessant zu erfahren, dass junge Modelle aus aller Welt zu einem exklusiven Nightclub auf die Seychellen geflogen worden sind, in dem nur die Superreichen in "ganz entspannter privater Atmosphäre verkehren können". Da ist dann eine ganz tolle Karrerie für ein 19-jähriges Model drin. Von 5.400 Dollar auf 16.000.000 Dollar zu kommen, ist schon für ein junges Ding ein ganz besonderes Erlebnis. Wie sah denn die Gegenleistung aus? Zuhause im eigenen Land wird dem Volk dann das Märchen von Opferbereitschaft, Verzicht, Sparsamkeit und niedrigen Löhnen zum Wohle der Reichen und Superreichen erzählt. Und nicht zu vergessen die Moral, an der sich das Volk zu halten hat. Moral ist nur für die Kleinen gedacht. Das ist nicht nur im Libanon so. Das ganze erinnert ein bißchen an die Sache mit diesen Weinstein oder Epstein, wie der auch geheißen hatte. Wetten, dass wenn ein Superreicher ein ganz besonderen Wunsch hat, dass dieser Wunsch dann auch in Erfüllung geht? Wo bleibt dann da die Staatsanwaltschaft auf den Seychellen oder gar in Deutschland? Falls es im Libanon wieder zu einem Bürgerkrieg kommen sollte, dann wird wieder das Volk die jungen Kämpfer stellen müssen, die sich dann gegenseitig wegen der Religion oder der Politik totschießen. Und was ist dann mit dem übrig gebliebenen Frauenüberschuß. Richtig, die schönsten und hübschesten von ihnen werden auf die Seychellen oder sonst wo in irgendeinen exklusiven Nightclub geflogen. Das ergibt richtig Sinn ...
sven2016 01.10.2019
2. Haha. Eine Email mit
"Ich liebe dich" plus Kontonummer ist schon recht unverfänglich. kommt doch immer wieder vor? Als Regierungsmitglied kann man in den ärmsten und zerrütteten Ländern Milliardär werden. Das ist beunruhigend. Wahrscheinlich sehe aber nur ich das so ...
makromizer 01.10.2019
3.
Ja gut, aber was soll daran nun verfänglich sein? So weit ich verstanden habe, geht es ja nur um Hariris Privatvermögen. Steht zur Debatte, ob dies durch Korruption im Amt zustande kam? Falls ja, wäre das Problem eher die Bereicherung an sich als das, wofür das Geld nun ausgegeben wird. Oder wird im Libanon von einem Premierminister erwartet, dass dieser den Staatshaushalt mit seinem Privatvermögen saniert?
curiosus_ 01.10.2019
4. Staatsanwaltschaft?
Zitat von freidenker!Interessant zu erfahren, dass junge Modelle aus aller Welt zu einem exklusiven Nightclub auf die Seychellen geflogen worden sind, in dem nur die Superreichen in "ganz entspannter privater Atmosphäre verkehren können". Da ist dann eine ganz tolle Karrerie für ein 19-jähriges Model drin. Von 5.400 Dollar auf 16.000.000 Dollar zu kommen, ist schon für ein junges Ding ein ganz besonderes Erlebnis. Wie sah denn die Gegenleistung aus? Zuhause im eigenen Land wird dem Volk dann das Märchen von Opferbereitschaft, Verzicht, Sparsamkeit und niedrigen Löhnen zum Wohle der Reichen und Superreichen erzählt. Und nicht zu vergessen die Moral, an der sich das Volk zu halten hat. Moral ist nur für die Kleinen gedacht. Das ist nicht nur im Libanon so. Das ganze erinnert ein bißchen an die Sache mit diesen Weinstein oder Epstein, wie der auch geheißen hatte. Wetten, dass wenn ein Superreicher ein ganz besonderen Wunsch hat, dass dieser Wunsch dann auch in Erfüllung geht? Wo bleibt dann da die Staatsanwaltschaft auf den Seychellen oder gar in Deutschland? Falls es im Libanon wieder zu einem Bürgerkrieg kommen sollte, dann wird wieder das Volk die jungen Kämpfer stellen müssen, die sich dann gegenseitig wegen der Religion oder der Politik totschießen. Und was ist dann mit dem übrig gebliebenen Frauenüberschuß. Richtig, die schönsten und hübschesten von ihnen werden auf die Seychellen oder sonst wo in irgendeinen exklusiven Nightclub geflogen. Das ergibt richtig Sinn ...
Wieso denn das? Die Frau war volljährig und freiwillig vor Ort. Was soll da der Staatsanwalt?
kumi-ori 01.10.2019
5.
Zitat von freidenker!Interessant zu erfahren, dass junge Modelle aus aller Welt zu einem exklusiven Nightclub auf die Seychellen geflogen worden sind, in dem nur die Superreichen in "ganz entspannter privater Atmosphäre verkehren können". Da ist dann eine ganz tolle Karrerie für ein 19-jähriges Model drin. Von 5.400 Dollar auf 16.000.000 Dollar zu kommen, ist schon für ein junges Ding ein ganz besonderes Erlebnis. Wie sah denn die Gegenleistung aus? Zuhause im eigenen Land wird dem Volk dann das Märchen von Opferbereitschaft, Verzicht, Sparsamkeit und niedrigen Löhnen zum Wohle der Reichen und Superreichen erzählt. Und nicht zu vergessen die Moral, an der sich das Volk zu halten hat. Moral ist nur für die Kleinen gedacht. Das ist nicht nur im Libanon so. Das ganze erinnert ein bißchen an die Sache mit diesen Weinstein oder Epstein, wie der auch geheißen hatte. Wetten, dass wenn ein Superreicher ein ganz besonderen Wunsch hat, dass dieser Wunsch dann auch in Erfüllung geht? Wo bleibt dann da die Staatsanwaltschaft auf den Seychellen oder gar in Deutschland? Falls es im Libanon wieder zu einem Bürgerkrieg kommen sollte, dann wird wieder das Volk die jungen Kämpfer stellen müssen, die sich dann gegenseitig wegen der Religion oder der Politik totschießen. Und was ist dann mit dem übrig gebliebenen Frauenüberschuß. Richtig, die schönsten und hübschesten von ihnen werden auf die Seychellen oder sonst wo in irgendeinen exklusiven Nightclub geflogen. Das ergibt richtig Sinn ...
Was geht uns das an? Das ist Hariris eigenes Geld, mit dem er machen kann, was er will. Der Unterschied zwischen Hariri und Weinstein liegt klar auf der Hand. Im einen Fall geht es um Schauspielerinnen, die vergewaltigt wurden, im anderen Fall geht es um Prostitution, bei der für beide Seiten von vornherein klar ist, was sie wollen. Was soll daran für beide ehrenrührig sein? Der Libanon ist keine religiöse Diktatur wie andere Länder in der Region, das sieht man schon allein daran, dass sich hier auch die Gegenpartei nicht sonderlich für diesen Fall interessiert. Wenn Sie mir jetzt nur noch erklären möchten, warum ausgerechnet Sie sich "Freidenker" nennen.
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