Libanon Pro-westlicher Politiker Hariri ist neuer Ministerpräsident

Im Libanon ist der pro-westliche Politiker Saad Hariri in die Fußstapfen seines ermordeten Vaters getreten. Nun ist er Ministerpräsident des Landes. Über fünf Jahre nach dem Tod seines Vaters Rafik Hariri soll der 39-Jährige Saad das Land aus der Krise führen.


Beirut - Mit großer Mehrheit wurde Saad Hariri vom libanesischen Parlament für den Posten nominiert. Mehr als fünf Jahre nach dem Tod seines Vaters Rafik Hariri will der 39-Jährige eine Koalition schmieden, an der auch die Hisbollah beteiligt sein soll.

Saad Hariri: Sohn des ermordeten Rafik Hariri ist neuer Ministerpräsident Libanons
DPA

Saad Hariri: Sohn des ermordeten Rafik Hariri ist neuer Ministerpräsident Libanons

Nach der offiziellen Ernennung zum Ministerpräsidenten durch Suleiman kündigte Hariri Gespräche mit allen Blöcken im Parlament an. Er wolle eine Regierung der nationalen Einheit bilden, die "harmonisch" und ohne "Hindernisse und Lähmungen" zusammenarbeiten könne. Mit Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah war Hariri bereits am Donnerstag zusammengekommen, um in einem ersten Gespräch über eine mögliche Koalition zu beraten.

"Wir wissen, dass der Weg dorthin nicht einfach sein wird und mehr Hürden und Stolpersteine auftauchen könnten, als derzeit erkennbar sind - und das sind bereits einige", sagte Hariri. Auf dem Spiel stehe aber das Schicksal des Libanons und das inmitten einer der schwierigsten und kritischsten Phasen in der Geschichte des Nahen Ostens.

Schon zweimal auf das Amt verzichtet

Das pro-westliche Lager um Hariri war aus den Parlamentswahlen Anfang Juni als Sieger über die israelfeindliche Hisbollah hervorgegangen. Hariris Bündnis errang 71 der 128 Sitze im Parlament. Seine Nominierung für das Amt des Ministerpräsidenten wurde jedoch auch von Abgeordneten aus dem rivalisierenden Lager mitgetragen. Insgesamt 86 Parlamentarier sprachen ihm ihre Unterstützung aus.

Der 39-Jährige ist der Sohn des 2005 ermordeten Ex-Regierungschefs Rafik Hariri, der im Februar 2005 in Beirut zusammen mit 22 weiteren Menschen einem Anschlag zum Opfer fiel. Der Mord an seinem Vater hatte im Libanon eine beispiellose Protestwelle gegen Syrien ausgelöst, an deren Ende nach jahrzehntelanger Präsenz der Abzug der syrischen Truppen stand.

Der Posten des Regierungschefs ist nach dem libanesischen System der Machtteilung einem Vertreter der sunnitischen Glaubensgruppe vorbehalten. Der in Saudi-Arabien aufgewachsene Hariri hatte seit dem Tod seines Vaters schon zweimal die Möglichkeit, das Amt des Ministerpräsidenten zu übernehmen. Beide Male verzichtete er zugunsten von Fuad Siniora, einen ehemaligen Berater seines Vaters.

cis/dpa/AFP/Reuters



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