Einigung nach Massenprotesten Libanon will seinen Müll exportieren

In Libanons Hauptstadt türmt sich seit Monaten der Müll. Jetzt hat die Regierung einen Plan zur Lösung der Krise beschlossen: Per Schiff soll der Unrat aus dem Land geschafft werden.

Müllberg in Beirut: Den Bürgern stinkt's
AP

Müllberg in Beirut: Den Bürgern stinkt's


Die libanesische Regierung hat nach Massenprotesten wegen der Müllkrise den Export des Abfalls beschlossen. Das Kabinett stimmte am Montag einem Plan zu, den Unrat per Schiff von zwei Firmen außer Landes bringen zu lassen. Es handele sich um eine Katastrophe, die durch jahrelange Nachlässigkeit ausgelöst worden sei, sagte Ministerpräsident Tammam Salam.

Die Krise wurde Mitte Juli ausgelöst: Damals schloss die wichtigste Mülldeponie der Hauptstadt Beirut. Der Abfall wurde mitten im Hochsommer wochenlang nicht mehr abgeholt, er türmte sich in Beirut und Umgebung in immer neue Höhen. Bei den Protesten im Sommer kam es auch zu Ausschreitungen.

Schon Anfang September hatte die Regierung beschlossen, die Deponie in Naama südlich von Beirutfür eine Woche noch einmal zu öffnen, um die Hauptstadt und ihre Vororte von den größten Müllbergen zu befreien. Zudem stimmte das Kabinett für die Errichtung von zwei neuen Müllkippen im Norden und Osten des Landes. Dennoch war das Stadtbild noch immer von den Bergen von Unrat geprägt.

Libanons Regierung wird immer wieder dafür kritisiert, die Infrastruktur des Landes zu vernachlässigen. Auch 25 Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges kommt es in Beirut beispielsweise täglich zu Stromausfällen. Der Konflikt im benachbarten Syrien hat die Regierung weiter geschwächt und alte Gräben zwischen den Bevölkerungsgruppen wieder aufgerissen.

aar/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.