Libanon Uno-Tribunal erhebt Anklage wegen Hariri-Attentat

Sechs Jahre nach der Ermordung des libanesischen Ex-Regierungschefs Rafik Hariri liegen jetzt die Anklage und Haftbefehle vor - die Details bergen politischen Sprengstoff: Unter den Tatverdächtigen sollen Hisbollah-Kämpfer sein, die sich in Iran verstecken.

Portrait des ermordeten Rafik Hariri in Beirut: Anklage erhoben
AP

Portrait des ermordeten Rafik Hariri in Beirut: Anklage erhoben


Beirut/Den Haag - Das Sondertribunal für die Aufklärung des blutigen Attentats auf den libanesischen Politiker Rafik Hariri hat nach jahrelangen Ermittlungen Anklage gegen vier Verdächtige erhoben. Das in Den Haag ansässige Tribunal forderte die libanesische Justiz zur Festnahme der Verdächtigen auf.

Einzelheiten der Anklage sowie die Namen der mutmaßlichen Mörder sollen aber vorerst geheim bleiben, um die Verhaftungen nicht zu erschweren, sagte der zuständige Richter Daniel Fransen. Aus Justizkreisen verlautete, dass mindestens ein ranghohes Hisbollah-Mitglied darunter sei. Nach Angaben eines Gewährsmannes handelt es sich dabei um einen früheren stellvertretenden Militärkommandeur der militanten Schiitenbewegung.

Nach unbestätigten Hinweisen aus Beiruter Justizkreisen wird den vier Verdächtigen - alle sind Mitglieder der Hisbollah - Verantwortung für den schweren Bombenanschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut zugewiesen, bei dem am 14. Februar 2005 Hariri zusammen mit 22 weiteren Personen getötet wurde. Der Verdacht fiel rasch auf Syrien. Die Hisbollah hat jede Verwicklung in das Attentat bestritten und das Tribunal der Vereinten Nationen als eine Verschwörung Israels und der USA bezeichnet.

Neben den vier genannten Verdächtigen soll das Sondertribunal den unbestätigten Angaben zufolge noch weitere mutmaßliche Täter identifiziert haben: Libanesen, Syrer und Palästinenser. "Die meisten der genannten Verdächtigen halten sich nicht im Libanon auf und könnten nach dem Mord in den Iran geflohen sein", sagte ein libanesischer Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur dpa.

Die seit langem erwartete Anklage schürt die Sorge vor einer weiteren blutigen Krise im Libanon. Im Streit über die Ermittlungen des Uno-Tribunals kommen einige der brisantesten Konflikte zusammen, mit denen das Land derzeit zu kämpfen hat: Die Rolle der einflussreichen vom Iran und Syrien unterstützten Hisbollah, die dunkle Vergangenheit des Staats mit Blick auf sektiererische Gewalt und Teilungen sowie das angespannte Verhältnis des Libanons zum Nachbar Syrien.

Der Milliardär Saad Hariri, der nach dem Bombenattentat auf seinen Vater Rafik zum neuen Polit-Star der Sunniten und liberalen Kräfte aufgestiegen war, nannte die Übergabe der Anklage einen "historischen Moment für das libanesische Volk". Hariri, der sich aktuell in Paris aufhält, betonte: "Wir sind nicht auf Rache aus, sondern wir Vertrauen auf Gott."

lgr/dpa/dapd

insgesamt 2 Beiträge
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cedarjet 30.06.2011
1. Die erwarteten Verdächtigen...
...aber bei der derzeitigen libanesischen Regierung und ihren Beschützern in Damaskus und Teheran ist es unwahrscheinlich,dass die Killer vor Gericht kommen. Bin gespannt, ob jetzt wieder die üblichen Islamisten und Gutmenschen hier auftauchen, die behaupten, dies wäre ein israelisches Komplott und die drogendealende Hizbollah werde ja total mißverstanden.
hugahuga 30.06.2011
2. Verar..
Der letzte Satz des Artikels - sollte Sohnemann Hariri ihn wirklich so gesagt haben - erscheint mir nicht sehr glaubwürdig.
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