Liberia Rebellen unterzeichnen Rückzugsabkommen

Nach der Abdankung des Diktators Taylor ein weiterer Hoffnungsschimmer für das vom Bürgerkrieg zerrüttete Liberia: Die Kämpfer der Rebellenbewegung Lurd haben zugesagt, die Hauptstadt Monrovia morgen zu verlassen.




Moses Blah hat die Macht von Charles Taylor übernommen
AP

Moses Blah hat die Macht von Charles Taylor übernommen

Monrovia/New York - Der Befehlshaber der US-Soldaten auf den Kriegsschiffen vor der Küste, Thomas Turner, und US-Botschafter John Blaney haben das Abkommen ausgehandelt. Gestern nachmittag jedoch war es ungeachtet der Friedensappelle des neuen Präsidenten Moses Blah zu neuen Kämpfen mit der kleineren Rebellengruppe Model gekommen. Blah lud die Rebellen zur Beteiligung an seiner Regierung ein.

Der Uno-Sondergerichtshof in Sierra Leone forderte am Dienstag die Auslieferung von Ex-Präsident Charles Taylor aus dem nigerianischen Exil für einen Kriegsverbrecher-Prozess. Regierungen afrikanischer Länder, insbesondere Nigerias, müssten dafür sorgen, dass Taylor vor Gericht gestellt werde, heißt es in einer am Dienstag am New Yorker Uno-Sitz veröffentlichten Erklärung der Uno-Ankläger.

Taylor wurde bereits in Abwesenheit vor dem auf Beschluss des Weltsicherheitsrates geschaffenen Gericht in Freetown wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ihm werden insgesamt 17 Fälle von Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Verletzungen der Genfer Konvention vorgeworfen, die er von 1996 bis 2000 durch seine direkte Unterstützung der für Grausamkeiten bekannten Rebellentruppe Ruf in Sierra Leone begangen haben soll.

Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International an die Regierung Nigerias appelliert, Taylor zu verhaften. Nigeria müsse ihn entweder an das Uno-Gericht ausliefern oder selbst ein Strafverfahren gegen ihn eröffnen. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo hatte das Exil-Angebot für Taylor mit dem Wunsch begründet, Liberia den Frieden zu ermöglichen.

Die humanitäre Hilfe für die hungernde Bevölkerung steht nach dem Machtwechsel in Liberia jetzt im Mittelpunkt. Die Hilfsorganisationen warten weiterhin dringend auf den Rückzug der Rebellen aus dem Hafengebiet. Erst dann sei die Versorgung der Stadt auf dem Seeweg wieder möglich.

Regierungstruppen und Kämpfer der Rebellengruppe Model lieferten sich unterdessen neue Gefechte auf der Straße zwischen der Hafenstadt Buchanan und dem Flughafen von Monrovia, berichtete der britische Sender BBC. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die bislang informelle Waffenruhe gebrochen zu haben.

Blah hatte an seinem ersten Tag im Amt erneut an die Rebellen appelliert, die Waffen niederzulegen. "Bitte hört mit den Kämpfen auf", sagte er in einem Interview mit der BBC. In Ghana gehen die Friedensverhandlungen unter Aufsicht der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas weiter. Nach deren Plan soll Blah im Oktober von einer neutralen Übergangsregierung abgelöst werden.



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