Libyen Nationalistische Armee meldet Einnahme von Hafen

Nach einem monatelangen Patt ändern sich die Kräfteverhältnisse in Libyen: Die nationalistische Armee will den Hafen von Bengasi eingenommen haben. Ein Erfolg im Kampf gegen die Islamisten.

Nationalistischer Kämpfer in Bengasi: Kräfteverhältnis ändert sich
REUTERS

Nationalistischer Kämpfer in Bengasi: Kräfteverhältnis ändert sich


Bengasi - Nach heftigen Kämpfen mit der islamistischen Gruppe Ansar al-Scharia in Libyen melden die nationalistischen Kräfte einen Erfolg: Die Armee hat nach eigenen Angaben den Hafen der umkämpften Stadt Bengasi unter Kontrolle. Die Truppen, die der international anerkannten Regierung in Tobruk nahestehen, hätten sich die strategisch wichtige Anlage hart erkämpft, berichtete die Zeitung "Libya Herald".

Mehrere Soldaten, die den Einheiten des Ex-Generals Chalifa Haftar angehörten, seien bei dem Kampf gegen Islamisten getötet worden. Laut der Zeitung "al-Hayat" starben dabei in der zweitgrößten Stadt des Landes viele Menschen, genaue Opferzahlen wurden jedoch nicht benannt.

Bei einem Selbstmordattentat im Stadtteil Libi starben laut der Nachrichtenagentur Reuters drei Menschen, etwa 20 weitere wurden verletzt. Ein Auto habe sich einer Militärbasis genähert. Obwohl Soldaten das Fahrzeug beschossen, erreichte es sein vermeintliches Ziel. Ein Mann und ein Junge wurden getötet, auch der Fahrer starb.

Nach einem monatelangen Patt könnte sich nun das Kräfteverhältnis zugunsten der Nationalisten und zulasten islamistischer Gruppen verändern. In Libyen kämpfen seit dem Arabischen Frühling 2011 schwer bewaffnete Milizen. Sie gingen aus den Revolutionsbrigaden hervor, die im September 2011 Machthaber Muammar al-Gaddafi stürzten.

Das Land ist durch die Kämpfe gespalten: In der östlichen Stadt Tobruk arbeiten ein Parlament und eine Regierung, die international anerkannt sind und von Ex-General Haftar militärisch unterstützt werden. In Tripolis haben die Islamisten ein Gegenparlament und eine Gegenregierung gebildet. Dabei werden sie von mächtigen islamistischen Milizen unterstützt.

Im Dezember hatten die Vereinten Nationen zuletzt vor einer Eskalation des schwelenden Konflikts gewarnt. Bei Kämpfen seien bereits Hunderte Menschen ums Leben gekommen, sagte der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte. Diese Entwicklung könne zu Kriegsverbrechen führen.

Unter den Opfern des Bürgerkriegs seien bis Ende 2014 auch Hunderte Zivilisten gestorben, mindestens 120.000 Menschen sind laut einem Uno-Bericht zudem aus ihrer Heimat vertrieben worden. Das Alltagsleben sei in großen Teilen des Landes nur noch unter großen Einschränkungen möglich.

vek/dpa/Reuters

insgesamt 11 Beiträge
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ghanima23 06.02.2015
1.
So ist das eben in der Demokratie, auch andere Staaten machen ja jetzt diese Erfahrung.
Ulrike E. 06.02.2015
2. Folgen des Nato-Eingriffes:
Betrachtet man Libyen 2010 und Libyen 2015 hat sich vieles verschlechtert. Aber, das ficht die Nato-Generäle nicht an, sie müssen mit den Verlusten nicht leben. Und ihre Familien leben auch nicht in Libyen. Demokratie lässt sich nicht herbeibomben und kurzfristige Angriffe sorgen *nie* für einen langfristigen Frieden.
Slow Food 06.02.2015
3.
"Demokratie lässt sich nicht herbeibomben" Wir Deutschen sollten es eigentlich besser wissen. Natürlich wurde sich danach auch noch intensive um uns gekümmert. Das ist aber in Stammeskulturen nicht so einfach, wie der Westen immer wieder schmerzhaft zur Kenntniss nehmen muss.
Oberleerer 06.02.2015
4.
Geht der Ölpreis nun noch weiter runter, oder ist die anerkannte Tobruk-Regierung Teil der Opec? Oder sind die Teil der Opec, werden sich aber nicht auf einen Förderstopp einigen können?
al3x4nd3r 06.02.2015
5.
Ex-General Haftar gehört nicht den Regierungstruppen an; er wurde von der CIA ausgebildet und handelt nicht auf Befehl des Parlaments.
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