Libyen Aufständische lassen britische Diplomaten frei

Es war ein diplomatisches Missgeschick: Acht Briten wollten in Libyen Kontakt zur Opposition aufnehmen. Doch Medienberichten zufolge kamen die Männer bewaffnet, verärgerten so die Aufständischen und wurden festgenommen  - nach drei Tagen kamen die Diplomaten am Sonntag frei.


London/Bengasi - Ein im Osten Libyens von Rebellen festgehaltenes Diplomatenteam aus Großbritannien hat das umkämpfte Land wieder verlassen können. Die Gruppe, darunter angeblich sechs Elitesoldaten der Kommandotruppe SAS, sollte britischen Medienberichten zufolge Gespräche mit den Gegnern des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi aufnehmen. Kurz nach ihrer Ankunft am Freitag waren die Männer jedoch festgenommen worden. Das Diplomatenteam habe "Schwierigkeiten erfahren, die nun aber befriedigend gelöst sind", sagte der britische Außenminister William Hague am Sonntag nach der Freilassung.

Die von britischen Offiziellen als "kleines Diplomatenteam" bezeichnete Gruppe war laut BBC am frühen Freitagmorgen mit einem Hubschrauber in Nähe der Stadt Bengasi gelandet. Augenzeugen berichteten, die Männer hätten bestritten, Waffen bei sich zu tragen. Nach einer Überprüfung habe sich aber herausgestellt, dass sie sehr wohl Waffen trugen - und zudem Pässe aus mindestens vier Nationen.

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Ein Sprecher der libyschen Opposition hatte angegeben, ein britischer Diplomat und mehrere britische Soldaten seien nach ihrer Ankunft in einer von Rebellen kontrollierten Zone festgenommen worden. Ein Sprecher des oppositionellen Nationalrats sagte, das Gremium habe es abgelehnt, mit den Briten zu sprechen. Diese Entscheidung sei "wegen der Art, wie sie ins Land gekommen sind", gefallen, führte Abdul Hafis Ghoka aus. Die acht Briten seien zunächst festgenommen worden, "weil sie auf informelle Weise und ohne irgendeine Abmachung ins Land gekommen" seien.

Der Vorfall bedeute aber "keine Krise zwischen dem Nationalrat und der britischen Regierung", sagte Ghoka. Seinen Angaben zufolge waren der britische Diplomat und seine Leibwächter mit einem Hubschrauber in Suluk, einer Kleinstadt südwestlich von Bengasi, gelandet.

Die "Sunday Times" hatte zuvor berichtet, das unerwartete Auftauchen der Briten habe die Aufständischen verärgert. Sie fürchteten demnach, dass Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi die Präsenz ausländischer Truppen im Land für seine Zwecke instrumentalisieren könnte.

Ein BBC-Korrespondent in Bengasi bezeichnete die Aktion als "beschämende Fehleinschätzung". Der Briten hätten offenbar nicht damit gerechnet, dass es provozierend wirken könne, wenn mitten in der Nacht ein Hubschrauber mit einer Gruppe bewaffneten Männer ankomme.

anr/dpa/Reuters/AFP



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lupo.55 07.03.2011
1. Hoffentlich ein Einzelfall
Das ist schon ziemlich dreist und dumm, was sich die Briten da geleistet haben. Hoffentlich bleibt dies ein Einzelfall und steht nicht für die Außenpolitik der EU.
AxelSchudak 07.03.2011
2. Dumm?
Dumm erscheint mir eher die Reaktion der Gaddafi-Gegner, die eine prächtige Chance verpasst haben, einen direkten Draht zur britischen Regierung aufzubauen. Das könnte durchaus der Versuch gewesen sein, einen Ansprechpartner für militärische Unterstützung zu finden.
regierungs4tel 07.03.2011
3. Diplomaten reisen nicht nicht unangemeldet ein
Der Spiegel ist hier sichtlich einer Legende aufgesessen. Es dürfte sich um Angehörige des Nachrichtendienstes gehandelt haben. Diplomaten führen z.B. auch keine falschen Ausweispapiere.
el-gato-lopez 07.03.2011
4. Uneinigkeit und Chaos
So so, nach Ansicht der Aufständischen könnte Gaddafi die Präsenz von ausländischen Truppen oder anderen "Waffenträgern" propagandistisch ausnutzen. Ja, dem muss man zustimmen. Nur - würde Gaddafi die "Anwesenheit" westlicher Kampfjets in einer No-Fly Zone über seinem Land, die ja von den Aufständischen fleissig gefordert wird, nicht auch propagandistisch ausnutzen? Für mich ist dieser Vorfall nur ein weiterer Beweis für die Heterogenität der Oppositionsbewergung. Es gibt für den Westen keine klaren Ansprechspartner, keine klaren Strukturen. Man weiss schlicht nicht, auf wen man sich verlassen kann und wessen Wort in der ganzen Opposition ewtas gilt. Am Schluss reisten die Briten, seien es jetzt Agenten oder Diplomaten, auf Einladung oder Erlaubnis irgendeines "Rats" oder "Dorfkönigs" ein, was irgendeinem anderen "Gremium" dann halt nicht passte... Stammes- und Bürgerkrieg, ich hör euch trapsen...
born47 07.03.2011
5. Wenn nicht die Briten dann eben die Amerikaner
Da ist doch noch Luft...10 Jahre...das sind doch Erfolge... -Studenten und Geistliche in der Stadt Jalalabad der östlichen Provinz Nangarhar und in Pol-e Alam in der Provinz Logar(Afghanistan),haben am Montag gegen die US-amerikanische Präsenz im Land protestiert… und skandierten Losungen wie "Tod für Amerika!" Das teilte die Pressestelle des Provinzgouverneurs mit. Die Demos seien durch zwei Bombenanschläge überschattet gewesen, bei denen zwei Menschen getötet und mindestens 19 verletzt worden seien, hieß es. Mehr als 600 Demonstranten forderten das US-Militärkommando, drei Medrece-Studenten auf freien Fuß zu setzen, die in der Nacht zum Montag unweit von Jalalabad festgenommen worden waren. (RIA Novosti)
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