Kämpfe in Libyen Bewaffnete greifen Parlament an

Libyen wird von schweren Kämpfen erschüttert. Nachdem bei einem Angriff auf Bengasi mindestens 70 Menschen getötet wurden, stürmten Bewaffnete das Parlament in der Hauptstadt Tripolis.

Zerstörtes Lager in Bengasi: Den Angriff soll der abtrünnige General Khalifa Haftar befehligt haben
REUTERS

Zerstörtes Lager in Bengasi: Den Angriff soll der abtrünnige General Khalifa Haftar befehligt haben


Bengasi/Tripolis - Nach den schweren Kämpfen in der östlichen Hafenstadt Bengasi ist es auch in Libyens Hauptstadt Tripolis zu Gefechten gekommen. Nach eigenen Angaben verübten Anhänger des abtrünnigen Generals Khalifa Haftar einen Angriff auf das Parlament.

Dem Abgeordneten Omar Buscha zufolge wurde das Gebäude in Brand gesetzt. Über dem Gelände war demnach starker Rauch zu sehen. Die staatliche Nachrichtenagentur meldete, die Straßen um das Parlament seien von bewaffneten Kämpfern abgeriegelt worden. In mehreren Teilen der Hauptstadt war Gewehrfeuer zu hören.

Haftar, ehemaliger Generalmajor der libyschen Armee, ist mittlerweile Anführer der selbst ernannten "Nationalen Armee". Er soll am Wochenende auch den Befehl für eine Militäroperation in Bengasi gegeben haben, bei dem Angehörige der libyschen Armee zwei Stützpunkte angeblich islamistischer Milizen angriffen. Dabei wurde die Truppe von Kampfflugzeugen unterstützt - unter wessen Kommando diese standen, ist unklar. Die Zahl der Toten stieg nach offiziellen Angaben auf 79, mehr als 140 weitere Menschen seien verletzt worden.

Die Regierung in Tripolis warf Haftar einen Putschversuch vor und verhängte über Bengasi ein Flugverbot. Haftar und seine Unterstützer agierten "jenseits staatlicher Legitimation" und versuchten einen "Staatsstreich", hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung von Regierung, Parlament und Armee.

Seit dem Bürgerkrieg und dem Sturz des Regimes von Muammar al-Gaddafi 2011 ist es der Regierung nicht gelungen, sich im gesamten Land Autorität zu verschaffen. Viele ehemalige Rebellengruppen verweigern ihre Entwaffnung, vor allem der Osten des Landes ist ein weitgehende rechtsfreier Raum.

gam/AFP/AP/dpa/Reuters

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