Lage in Libyen Trump telefoniert mit libyschem General Haftar - und würdigt seine "bedeutende Rolle"

Der abtrünnige General Khalifa Haftar startete am 4. April eine Offensive auf Libyens Hauptstadt Tripolis. US-Präsident Trump telefonierte mit ihm, um eine "gemeinsame Vision" für ein stabiles System in dem Land zu besprechen.

Der libysche General Khalifa Haftar bei Gesprächen in Moskau 2017. (Archivbild)
Ivan Sekretarev/AP/dpa

Der libysche General Khalifa Haftar bei Gesprächen in Moskau 2017. (Archivbild)


Wie jetzt erst bekannt wurde, hat US-Präsident Donald Trump mit dem abtrünnigen libyschen General Khalifa Haftar über dieLage in dem Land beraten. Trump und Haftar hätten in einem Telefongespräch am Montag über "andauernde Anti-Terror-Bemühungen" und die Notwendigkeit diskutiert, "Frieden und Stabilität in Libyen zu erreichen", erklärte das Weiße Haus am Freitag. Trump habe die "bedeutende Rolle" gewürdigt, die Haftar im Kampf gegen den Terrorismus und bei der Sicherung der libyschen Ölreserven spiele.

Die beiden hätten eine "gemeinsame Vision" besprochen, wie in Libyen ein Übergang zu einem "stabilen, demokratischen politischen System" geschaffen werden könne, hieß es weiter. Das Weiße Haus erläuterte nicht, warum die Bekanntgabe des Gesprächs erst mit mehrtägiger Verspätung erfolgte.

In Libyen herrscht seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle.

Der abtrünnige General Haftar hatte am 4. April eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis gestartet, wo die Uno-gestützte Regierung von Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch ihren Sitz hat. Der General unterstützt eine Gegenregierung im Osten Libyens.

Uno-Sicherheitsrat scheiterte bislang

Bei heftigen Gefechten wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Beginn der Offensive auf Tripolis bereits mindestens mindestens 213 Menschen getötet und mehr als 1000 weitere verletzt. Mehr als 25.000 Menschen befinden sich nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf der Flucht.

Trotz der Eskalation der Gewalt scheiterte der Uno-Sicherheitsrat in New York erneut mit dem Versuch, eine einheitliche Haltung zur Lage in dem Krisenland zu finden. Es sei "frustrierend", dass der Text nicht vorankomme, sagte der deutsche Uno-Botschafter Christoph Heusgen am Donnerstag nach einer Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen. Es sei wichtig, eine entschiedene Resolution zu verabschieden, "von einem geeinten Rat, hinter der jeder stehen kann und in der wir klar sagen, wer Verantwortung trägt und was getan werden muss". Deutschland, das zurzeit den Vorsitz im mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen innehat, hatte die Dringlichkeitssitzung einberufen.

Der Sicherheitsrat hatte sich vor rund zwei Wochen "zutiefst besorgt" über die Entwicklung in Libyen gezeigt, wie es in einer vor Journalisten verlesenen Erklärung hieß. Darin rief er Haftar auf, den Vormarsch seiner Truppen auf Tripolis zu stoppen. Alle Appelle dieser Art verhallten allerdings bisher ungehört. Auf eine Resolution mit dieser Forderung konnte sich der Rat damals wie heute nicht einigen.

lie/AFP/dpa



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