Libyen Gaddafi verweigert Uno sicheren Zugang nach Misurata

Tausende Ausländer sind noch immer in der schwer umkämpften Rebellenhochburg Misurata eingeschlossen, die Versorgungslage der Stadt ist dramatisch. Doch Machthaber Gaddafi verwehrt der Uno Sicherheitsgarantien für Hilfstransporte.

AFP

Misurata/Bengasi - Misurata ist seit Wochen von den Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi umzingelt. 400.000 Menschen leben in der schwer umkämpften Stadt im Westen des Landes, unter ihnen sind auch rund 3000 Ausländer. Die Versorgungslage in der Rebellenbastion wird trotz Hilfslieferungen über das Meer immer dramatischer. Es fehlt nach Uno-Angaben an Lebensmitteln, Medikamenten und Trinkwasser.

Doch der Despot weigert sich, den Vereinten Nationen zuzusichern, dass die Transporte nach Misurata und in andere umkämpfte Städte sicher sind. "Wir haben Zusicherungen erhalten, dass wir ein Büro in Tripolis eröffnen können, aber keine Garantien für die Eröffnung eines humanitären Korridors, um den Menschen in Misurata zu helfen", sagte die Uno-Nothilfe-Koordinatorin Valerie Amos am Montag in der Aufständischen-Hochburg Bengasi. Sie hatte am Tag zuvor Gespräche mit der libyschen Führung in Tripolis geführt.

Auf ihre Forderungen nach einer Waffenruhe sei das Regime nicht eingegangen. Sie hoffe trotzdem, dass es den Uno-Helfern gelingen werde, in den nächsten Tagen zumindest festzustellen, wie die Lage in den belagerten Städten im Westen des Landes ist und wo die Not am größten ist. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte einen sofortigen Waffenstillstand.

Die Truppen Gaddafis setzten am Montag den Raketenbeschuss von Misurata unvermindert fort. Die Stadt 210 Kilometer östlich von Tripolis wird seit sieben Wochen von den Regierungssoldaten belagert. Am Montag gingen in der Stadt nach Uno-Angaben rund 900 Menschen - vor allem Ghanaer und verletzte Libyer - an Bord von Schiffen, um nach Bengasi gebracht zu werden.

Großbritannien kündigte Hilfe für die eingeschlossenen Gastarbeiter in Misurata an. Sie sollten mit Hilfe der International Organisation for Migration in Sicherheit gebracht werden. Auch werde man wichtige medizinische Hilfe in Libyen finanzieren, sagte Entwicklungshilfeminister Andrew Mitchell am Montag bei einem Besuch bei den Vereinten Nationen in New York.

Ärzte berichten von 1000 Toten

Fast einen Monat nach dem Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Libyen zogen Ärzte in Misurata eine verheerende Bilanz: Rund tausend Menschen seien bei Kämpfen in den vergangenen sechs Wochen getötet und etwa 3000 Menschen verletzt worden, teilte das Krankenhaus in Misurata am Montag mit.

Die libysche Führung bestritt, die Bevölkerung anzugreifen. "Wir haben keine Verbrechen gegen unser Volk begangen", sagte Gaddafis Sohn Seif al-Islam der "Washington Post". "Das ist nicht passiert. Das wird nie passieren." Sobald die "Terroristen" in Misurata und der Rebellenhochburg Bengasi besiegt seien, werde die Macht seines Vaters in einer neuen Verfassung beschränkt.

Der in London ausgebildete Sohn Gaddafis galt einst als potentieller Reformer. Doch seine Äußerungen legten nahe, dass sein Vater trotz des internationalen Drucks nicht vorhat, Kompromisse zu schließen. Die Rebellen haben erklärt, eine Lösung des Konflikts sei nur möglich, wenn Gaddafi und seine Familie künftig keine Machtrolle mehr innehaben.

Die Regimegegner rückten am Montag erneut auf den Ölhafen Brega vor. Die Kämpfer legten etwa die halbe Strecke zwischen Adschdabija und Brega zurück, berichtete ein Reporter des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira. Doch es sind nur kleine Erfolge gegen die technisch überlegenen Truppen des Despoten.

Trotz der wachsenden Probleme der Gaddafi-Gegner ist eine Invasion oder Besetzung Libyens für den britischen Premierminister David Cameron weiterhin kein Thema. "Wir sind uns im Klaren darüber, dass wir zu den Bedingungen der Resolution des Uno-Sicherheitsrates stehen müssen", sagte er dem britischen Sender Sky News. Er gab aber zu, dass die Bedingung, keine Bodentruppen einzusetzen, den Einsatz erschwere. Die Alliierten müssten nun überprüfen, wie Zivilisten noch besser geschützt werden könnten, sagte Cameron.

als/dpa/AFP/Reuters

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2010sdafrika 18.04.2011
1. Gaddafi ist Unsicherheitsfaktor No.1
Es ist äußerst tragisch und traurig zugleich, dass ein solcher Mann wie Gaddafi das Land Libyen Jahrzehnte lang regiert hat(te). Wer sich mit dem Leben von Gaddafi beschäftigt hat, der weiß, dass dieser Mensch stets nach Herausforderungen suchte, die zwischen Banalität und Irrsinn anzutreffen sind. Dementsprechend würde es mich nicht wundern, so die Aussagen einiger arabischer Medien, dass der Revolutionsführer Gefallen an der jetzigen Situation findet, um seine Stärke und Willenskraft unter Beweis zu stellen. Ich hoffe, das libysche Volk wird wie in Tunesien zumindest bei der Abdankung des Staatsoberhauptes siegen wird: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/16/burgerkrieg-droht-in-tunesien-lybiens-blogger-mobilisieren-volk/.
puqio 18.04.2011
2. Ist das ein Witz?
Die Amis, die Franzis und die Englis bombarideren ihn und Tausende seiner Millionen Anhänger in dem Land. Sie bombardieren Gebäude und Menschen, die zu Gaddafi halten. Und dann erwarten sie Hilfe von Gaddafi, weil man mit den militärischen Angriffen nicht weiter kommt. Aber man ist nicht bereit zum Schutz der Zivilbevölkerung die Kämpfe einzustellen und die Waffen ruhen zu lassen, weder die Militzen noch die Alliierten. Ist das ein Witz oder ist da was dran?
plopp! 18.04.2011
3. Ungeheuerlich
Da werden im Auftrag der UNO Tripolis und die Truppen Gaddafis bombardiert und er weigert sich einfach, dass die UNO Nachschub nach Misurata liefert. Völlig unverständlich.
Ursprung 19.04.2011
4. Irren des Schlauen
Was sind das bloss fuer Clowns in England und Frankreich, dass die ernsthaft von dem Clown Gaddafi erwarten, er moege, bitte, bitte, die Manege verlassen, sie selber seien an der Reihe. Gaddafi muss sich von seinen Gegnern in Sachen Narreteien schon fast ueberfluegelt vorkommen. Der hatte womoeglich mehr Ratio bei seinen Widersachern vorausgesetzt. Aber auch ein Gaddafi kann bei aller Schlaeue und Ausgebufftheit mal irren.
saako 19.04.2011
5. gehts noch
Zitat von sysopTausende Ausländer sind noch immer in der schwer umkämpften Rebellenhochburg Misurata eingeschlossen, die Versorgungslage der Stadt ist dramatisch. Doch Machthaber Gaddafi verwehrt der Uno Sicherheitsgarantien für Hilfstransporte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,757831,00.html
hilfstransporte zum feind durchzulassen, lächerliche idee
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