Libyen-Gipfel Rebellen fordern massives Eingreifen der USA

Der Libyen-Gipfel in Doha ist zu Ende, der Ton unter den Gaddafi-Gegnern hat sich verschärft: Die Rebellen klagen über die mangelnde Effektivität des Nato-Einsatzes und verlangen ein stärkeres Engagement der USA. Nato-Generalsekretär Rasmussen verwahrt sich gegen die Vorwürfe.
Rebellen in Adschdabija: Wettlauf mit der Zeit

Rebellen in Adschdabija: Wettlauf mit der Zeit

Foto: YOUSSEF BOUDLAL/ REUTERS

Doha - Beim Treffen der Libyen-Kontaktgruppe über die Zukunft des Landes hat der Außenverantwortliche des Nationalen Übergangsrats der Rebellen mehr Luftangriffe der Nato gefordert. "Wir brauchen mehr Schutz für die Zivilisten", sagte Ali al-Issawi am Mittwoch am Rande des Außenministertreffens in der katarischen Hauptstadt Doha. Außerdem müsse die Nato die Bombardements der Panzer und Raketenabschussrampen der Armee des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi intensivieren.

Ein Sprecher der Rebellen, Mahmud Schammam, wurde noch deutlicher: Die Nato reagiere "sehr langsam" auf die Angriffe gegen Zivilisten in Libyen. "Als die Amerikaner noch stärker beteiligt waren, war die Mission sehr dynamisch und mehr darauf ausgerichtet, Zivilisten zu schützen", sagte Schammam und forderte die US-Streitkräfte auf, sich wieder verstärkt einzubringen.

Die USA sind allerdings, wie das Pentagon am Mittwoch bekanntgab, nach wie vor "unterstützend" bei dem Einsatz tätig. US-Kampfjets hätten auch nach der Übergabe des Kommandos an die Nato Angriffe auf libysche Luftabwehrstellungen geflogen.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wies den Vorwurf zurück, der Einsatz verlaufe zu langsam. "Wir haben ein sehr hohes operatives Tempo aufrechterhalten", sagte er. "Unsere Mission ist beendet, wenn für die Zivilisten am Boden keine Gefahr mehr besteht." Die Nato hat das Kommando über den Militäreinsatz am 31. März von den USA, Frankreich und Großbritannien übernommen. Aktuellen Angaben zufolge wurden seit Beginn der Intervention am 19. März 30 Prozent der militärischen Kapazitäten Gaddafis zerstört.

Am Dienstag haben die internationalen Truppen in Libyen zwölf Panzer in der Nähe des Ortes Zintan zerstört. Außerdem sei südlich von Sirte ein Munitionsbunker zerstört worden, hieß es in einer Mitteilung über die Einsätze der Kampfbomber. Nato-Flugzeuge hätten 159 Einsätze geflogen, darunter 60 Kampfeinsätze. Zwei Flugzeuge mit humanitären Hilfslieferungen hätten in Libyen landen dürfen.

Ein Wettlauf mit der Zeit - gegen Gaddafi

Auf dem Libyen-Gipfel in Doha rief der katarische Kronprinz ebenfalls zu einer stärkeren internationalen Unterstützung der Aufständischen auf. Es sei ein Wettlauf mit der Zeit, den Gegnern von Machthaber Gaddafi die Mittel zur Selbstverteidigung und zur Verteidigung des libyschen Volks zu geben, sagte Scheich Tamim Bin Hamad al-Thani am Mittwoch. Katar ist einer der wenigen arabischen Staaten, die die Militäraktion über Libyen mit Flugzeugen unterstützen.

Der italienische Außenamtssprecher Maurizio Massari sagte, es solle geprüft werden, ob die Aufständischen mit Defensivwaffen beliefert werden könnten. "Jedes Land entscheidet. Es ist eine politische Entscheidung", sagte er.

In der Abschlusserklärung der Konferenz hieß es, die Libyen-Kontaktgruppe bestehe auf einem Rücktritt von Machthaber Muammar al-Gaddafi. An der Konferenz nahmen unter anderem Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, der britische Außenminister William Hague, der deutsche Außenminister Guido Westerwelle und der Vertreter des US-Außenministeriums William Burns teil.

Heftige Explosionen aus Tripolis gemeldet

Konferenzteilnehmer Hague sagte der BBC am Mittwoch, die libysche Opposition werde "nach und nach besser organisiert". Er könne aber nicht sagen, wie lange das militärische Patt in Libyen andauern werde. Er äußerte sich zuversichtlich, dass das Patt mit dem Rücktritt Gaddafis enden werde.

Das französische Außenministerium rief die Nato am Mittwoch auf, den militärischen Druck auf Gaddafis Truppen aufrechtzuhalten. Gleichzeitig müsse nach einer politischen Lösung gesucht werden. Staatspräsident Nicolas Sarkozy bekräftigte nach Angaben seines Sprechers bei einer Kabinettssitzung, dass die militärische Strategie zum Schutz von Zivilpersonen und die diplomatische Strategie parallel verfolgt werden müssten.

Die Kämpfe in Libyen gingen am Mittwoch weiter. Am Stadtrand der Hauptstadt Tripolis waren nach Angaben eines Bewohners zwei starke Explosionen zu hören. Offenbar sei ein Gebiet in Flughafennähe betroffen gewesen. Möglicherweise handelte es sich um Nato-Luftangriffe auf Stellungen der Regierungstruppen.

Der Kommandeur des französischen Flugzeugträgers "Charles de Gaulle", Konteradmiral Philippe Coindreau, sagte am Mittwoch, inzwischen verzeichneten die Aufständischen wieder Geländegewinne. Offiziere des Schiffs sagten, Gaddafis Truppen gelinge es hervorragend, sich vor den Luftangriffen zu verbergen. Die Truppen seien dazu in einem Ausmaß fähig, "das wir bisher nicht gekannt haben".

ffr/AFP/AP/dapd/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.