Libyen Mitglieder des Strafgerichtshofs in U-Haft

Der Konflikt zwischen Libyen und dem Internationalen Strafgerichtshof spitzt sich zu: Die festgesetzten Mitarbeiter des Gerichts sind in Untersuchungshaft genommen worden - ihnen wird Spionage vorgeworfen. Im Mittelpunkt steht die australische Pflichtverteidigerin des Gaddafi-Sohns Saif al-Islam.

Tripolis - Die in Libyen unter Spionageverdacht festgenommenen Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) sitzen jetzt in Untersuchungshaft. Diese sei während der Ermittlungen für eine Dauer von 45 Tagen vorgesehen, teilte ein Vertreter des Büros des libyschen Generalstaatsanwalts am Montag mit, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Nach Angaben des Chefs der Miliz in Sintan, von der die vier IStGH-Mitarbeiter am Donnerstag festgenommen worden waren, wurden sie bereits am Sonntag in ein Gefängnis überstellt.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht die australische Pflichtverteidigerin des Sohnes von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam. Die libyschen Behörden werfen Melinda Taylor Spionage und "Kommunikation mit dem Feind" vor.

Sie soll bei einem Gespräch mit Saif al-Islam einen Stift mit einer integrierten Kamera und einen Brief von dessen einstigem Vertrauten Mohammed Ismail bei sich gehabt haben, der von der libyschen Justiz gesucht wird. Libyen und der IStGH streiten seit Monaten darüber, wo Saif al-Islam der Prozess gemacht werden soll. Der Sohn des früheren Diktators wird in einem Gefängnis in Sintan festgehalten.

Regierungssprecher Manaa erklärte, der Generalstaatsanwalt habe Ermittlungen gegen die australische Anwältin Taylor und Mitglieder ihres Teams aufgenommen. Lokale Medien berichteten, nur Taylor und eine libanesische Übersetzerin stünden unter Arrest. Die anderen beiden Mitglieder des vierköpfigen Teams - ein Russe und ein Spanier - seien freiwillig mit den Frauen in Sintan geblieben. Inzwischen seien Abgesandte des Strafgerichtshofs in Tripolis eingetroffen, um mit den Behörden über eine Freilassung der Mitarbeiter zu verhandeln.

Libyen und der Internationale Strafgerichtshof streiten seit Monaten über die Frage, wo Saif al-Islam vor Gericht gestellt werden soll. Der IStGH hatte gegen den 39-Jährigen einen internationalen Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des blutigen Bürgerkriegs vor dem Sturz seines Vaters erlassen. Anfang April hatte der IStGH die sofortige Überstellung nach Den Haag verlangt. Die libysche Übergangsregierung will Gaddafi jedoch im eigenen Land den Prozess machen.

fab/AFP/dpa
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