Dschihadisten-Offensive IS-Terroristen in Libyen auf dem Vormarsch

Die Friedensverhandlungen in Libyen laufen zäh. Der "Islamische Staat" nutzt das Chaos und weitet sein Einflussgebiet mit blutigem Terror aus. Warnungen vor einem "neuen Somalia" werden laut.
Von Mirco Keilberth
Propaganda-Foto von Islamisten: Das Bild soll einen IS-Konvoi nahe Sirt im Februar 2015 zeigen

Propaganda-Foto von Islamisten: Das Bild soll einen IS-Konvoi nahe Sirt im Februar 2015 zeigen

Foto: AFP

Mehr als zehn Monate hat der Uno-Sondergesandte Bernardino León zwischen den zwei zerstrittenen Fraktionen in Libyen vermittelt, ein Friedensvertrag soll bald unterzeichnet werden. Doch nun eskaliert die Lage, sodass Italiens Außenminister Paolo Gentiloni vor einem "neuen Somalia" warnt.

Denn der "Islamische Staat" (IS) ist auf dem Vormarsch. Dessen Kämpfer töteten innerhalb einer Woche bis zu 200 Salafisten und Bewohner der Stadt Sirt, von denen ein Dutzend geköpft oder gekreuzigt zur Schau gestellt wurden. Der IS hat nun die volle Kontrolle über die nordlibysche Hafenstadt, damit ist auch der Weg frei zu dem östlich gelegenen "Ölhalbmond".

Libyen ist Afrikas ölreichstes Land, rund 80 Prozent der Ölvorkommen befinden sich südöstlich von Sirt. Zudem planen die Dschihadisten offenbar, nach Süden bis an die sudanesische Grenze vorzudringen. Damit würden sie einen Landkeil zwischen die beiden konkurrierenden Regierungen in Baida und Tripolis treiben - es entstünde eine dritte Region außerhalb staatlicher Kontrolle.

Erstes Indiz für diese Strategie sind Angriffe in der Wüstenoase Kufra. Die Stadt ist ein wichtiger Stützpunkt für den IS, um Kämpfer aus dem Sudan nach Nordlibyen zu schmuggeln. Auch in Sabha weiter im Südwesten des Landes kam es zu Kämpfen, wo Anhänger des gestürzten Gaddafi-Regimes versuchten, die Macht zu übernehmen.

Immer lauter wird nun der Ruf nach einem Militäreinsatz. Doch die Arabische Liga konnte sich am Dienstag nicht auf Luftschläge einigen, worum die international anerkannte Regierung in Baida gebeten hatte. Der britische Botschafter für Libyen, Peter Millet, der wie fast alle Diplomaten aus Sicherheitsgründen vom benachbarten Tunesien aus arbeitet, erwägt daher den Einsatz einer westlichen Militärallianz. "Luftschläge gegen Stellungen des 'Islamischen Staats' in Sirt könnten Teil einer globalen Strategie gegen die Terroristen sein."

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