Vor Libyen Italienische Küstenwache findet Leichen auf Flüchtlingsboot

Aus Griechenland geht es nicht mehr weiter - nun versuchen es viele Flüchtlinge über die gefährlichere Route aus Nordafrika. Auf einem in Seenot geratenen Boot wurden nun Tote gefunden.

Rettungsweste auf Mittelmeer
AP

Rettungsweste auf Mittelmeer


Über den Balkan gibt es kein Durchkommen mehr nach West- oder Nordeuropa, aus Griechenland werden Flüchtlinge zurück in die Türkei geschickt. Immer mehr Migranten wählen deshalb jetzt wieder den noch riskanteren und längeren Weg von Libyen aus nach Italien - wie erwartet gibt auf dieser Route die ersten Toten.

Die italienische Küstenwache hat auf einem in Seenot geratenen Flüchtlingsboot sechs Leichen gefunden. 108 weitere Migranten seien gerettet und von einem Schiff aufgenommen worden, nachdem sie zuvor einen Notruf abgesetzt hatten, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Sie hätten den Rettern von den Toten auf ihrem Boot erzählt, die daraufhin ebenfalls an Bord geholt worden seien. Das Boot war unweit der libyschen Küste bei schwerem Wellengang in Seenot geraten. Die Migranten sollen nach Sizilien gebracht werden.

Berichte über Hunderte Tote

Bisher unbestätigten Meldungen zufolge könnten noch viel mehr Menschen bei der Überfahrt über das Mittelmeer Richtung Italien ums Leben gekommen sein. Unter anderem der italienische Fernsehsender RAI berichtet, das insgesamt vier Boote mit hunderten Somaliern und Eritreern an Bord gekentert seien. Laut dem somalischen Botschafter in Kairo könnte es bis zu 400 Tote geben. Eine Bestätigung der italienischen Küstenwache gibt es dazu bislang nicht. Die Boote sollen den Meldungen zufolge von Ägypten aus aufgebrochen sein.

Allein am Montag und Dienstag in der vergangenen Woche waren laut der italienischen Küstenwache mehr als 4000 Flüchtlinge von Booten im Mittelmeer zwischen Nordafrika und Sizilien aufgegriffen worden. Laut Uno kamen seit Jahresbeginn mehr als 20.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer in Italien an - fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2015. Laut Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR stammen die meisten aus Ländern wie Nigeria, Somalia und Mali. Der Landweg von Griechenland zu den Fluchtzielen in Mitteleuropa ist inzwischen für Flüchtlinge weitgehend gesperrt.

Schätzungen zufolge warten in Libyen mindestens 200.000 Menschen auf den geeigneten Moment, um die Überfahrt zu wagen. Schlepper haben dort wegen fehlender staatlicher Strukturen leichtes Spiel. Im Westen des Landes, teilweise auch in Tunesien, wagen gerade in den warmen Monaten viele Menschen in schrottreifen Boote die gefährliche Reise.

anr/dpa/AFP

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