Bürgerkrieg in Libyen Warlord Haftar lässt Tripolis bombardieren

Der libysche Warlord Khalifa Haftar verstärkt seine Offensive auf Tripolis. In der Nacht wurde die Zwei-Millionen-Metropole aus der Luft angegriffen. Seit Anfang April sind Zehntausende vor den Kämpfen geflohen.

Anti-Haftar-Plakat in Tripolis: Augenzeugen hörten Drohnen und Kampfjets über der Hauptstadt
REUTERS/Ahmed Jadallah

Anti-Haftar-Plakat in Tripolis: Augenzeugen hörten Drohnen und Kampfjets über der Hauptstadt


Die sogenannte Libysche Nationale Armee von Warlord Khalifa Haftar hat in der Nacht zum Sonntag erneut Luftangriffe auf die Hauptstadt Tripolis geflogen. Augenzeugen berichteten, sie hätten zuerst die Geräusche von Drohnen und Kampfflugzeugen gehört, danach mehrere Explosionen in der Nähe des Stadtzentrums. Die Milizen in Tripolis hätten mit Luftabwehrgeschossen und Maschinengewehrfeuer reagiert.

Der selbst ernannte Feldmarschall Haftar hatte vor knapp vier Wochen eine Offensive auf die libysche Hauptstadt gestartet, in der rund zwei Millionen Menschen leben. Er kontrolliert den Osten von Libyen und will nun die international anerkannte Regierung in Tripolis stürzen. Seit Jahren hatte sich Haftar, ein früherer General von Diktator Muammar al-Gaddafi, geweigert, seine Truppen dem Befehl der Regierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj zu unterstellen. Seine "Libysche Nationale Armee" ist ein Bündnis aus Gaddafi-Militärs, Salafisten und Söldnern.

Haftar genießt die Unterstützung der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens, die ihm mit Luftangriffen bei der Übernahme der Macht im Osten Libyens halfen. Beide Länder haben Haftars Truppen nach Erkenntnissen der Uno auch militärische Ausrüstung geliefert, darunter Hubschrauber, und sogar einen Militärflughafen gebaut. Auch US-Präsident Donald Trump hatte Haftar, der nach Jahren im US-Exil auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, vor zehn Tagen in einem Telefonat seine Unterstützung bekundet - obwohl die Vereinigten Staaten sich bislang offiziell immer zur Regierung von Sarraj in Libyen bekannt hatten.

Bei den Kämpfen um Tripolis sind bislang nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO knapp 300 Menschen getötet und mehr als 1300 verletzt worden. Mehr als 35.000 Einwohner sind geflüchtet.

syd/AFP/Reuters

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joana2 28.04.2019
1.
Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten, und Trump. Für ihn wäre es besser, er würde einfach den Mund halten, wenn es nicht so traurig und gefährlich wäre, könnte man über ihn lachen, denn einen lächerlicheren Politiker gibt es der Zeit nicht und hat es wahrscheinlich auch nie gegeben. Die Waffen, mit denen Ägypten und die Emirate, Libyen unterstützen kommen auch aus Deutschland, somit fördert Deutschland Fluchtbewegungen.
bernteone 28.04.2019
2. Warum auch nicht
Die Unterstützung Trumps , damit der USA , hat er schon zugesichert bekommen . Damit wird dich die EU wohl auch in der Richtung positionieren . Alles obwohl ihm Kriegsverbrechen angelastet werden . Wer so ermutigt wird und mit Sicherheit auch Unterstützung im Westen findet , schreckt wohl vor nichts mehr zurück .Die Wertegemeinschaft vesammelt sich mal wieder hinter ihren Führer .
kochra8 28.04.2019
3. Nur ein Gedankenspiel
Damit erlaubt sich Trump einen Schuss vor den Bug der Europäer. Ist das, weil jene Clinton unterstützten? Würde er nicht zögern, Europa den Arabern zugänglich zu machen, um einen Konkurrenten zu verlieren? Schon spannend, wenn ein Psychot an den Machthebeln spielt. Wehe denen aber, die ihn dahingesetzt, der Gewinn kann unweigerlich zum Verlust von allem führen!
conrath 28.04.2019
4. Auch Frsnkreich unterstützt Haftar.
Aus dem Chad mit Mig Kampfflugzeugen. Die EU ist auch in dieser Frage gespalten.
Henk-van-Dijk 28.04.2019
5. Rummms, der nächste Krieg
Es mischen mit: Die üblichen Verdächtigen. Immer schöne als Stellvertreterkrieg geführt, dann tut es nicht so weh. Sind ja nur ein paar tausend Familien, Kinder und Menschen die es betrifft und die einfach nur ihrem Alltag nachgehen wollen. Syrien, Jemen, Lybien... Es ist so traurig für die vielen unschuldigen Betroffenen. Wann gönnt man denen da unten eigentlich mal Ruhe?
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