Libyen-Krieg Rebellen klagen über mangelnden Schutz vor Gaddafis Attacken

Die Truppen von Machthaber Gaddafi setzen die Rebellen in Libyen zunehmend unter Druck. Besonders kritisch ist die Lage in der Stadt Misurata. Die Aufständischen fordern von der Nato mehr Unterstützung - doch das Militärbündnis lehnt eine engere Zusammenarbeit ab.

Libysche Rebellen mit Munition: Schwere Kämpfe mit Gaddafi-Truppen
DPA

Libysche Rebellen mit Munition: Schwere Kämpfe mit Gaddafi-Truppen


Adschdabija - Die Nato bombardiert Gaddafis Truppen - aber sie führt nicht Krieg mit den Rebellen. So hat sie jetzt Berichte zurückgewiesen, wonach das Militärbündnis seine Zusammenarbeit mit den Rebellen in Libyen stärker verknüpfen will. Die Nato dementierte Aussagen eines Sprechers der Aufständische, wonach sie mit den Gegnern Muammar al-Gaddafis ein gemeinsames "Zentrum für Operationen" eingerichtet habe.

Die Nato soll die Zivilbevölkerung vor den Angriffen der Gaddafi-Truppen schützen - doch das gestaltet sich zunehmend schwierig. Dem Militärbündnis geht offenbar die Hightech-Munition aus. Dabei können die Alliierten im Moment jeden Schuss dringend gebrauchen - in vielen libyschen Orten setzen die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi die Aufständischen teilweise heftig unter Druck.

Bei Angriffen Gaddafi-treuer Kämpfer kamen in Adschdabija im Osten des Landes nach Ärzteangaben mindestens sechs Menschen ums Leben, 20 weitere wurden verletzt. Die Regierungstruppen hätten am Samstag Stellungen der Rebellen auf der Straße von Adschdabija nach Brega angegriffen, sagte ein Krankenhaus-Mitarbeiter. Adschdabija wird von den Rebellen kontrolliert.

Um die strategisch wichtige Ölstadt Brega, etwa 80 Kilometer von Adschdabija entfernt, gab es am Samstag ebenfalls heftige Kämpfe. Die Aufständischen versuchten, zu der Stadt vorzudringen. Dabei kamen mindestens sieben Rebellen ums Leben, etwa 30 wurden verletzt. Seit Beginn der Kämpfe haben beide Seiten schon mehrfach die Kontrolle über Brega gehabt.

Gaddafis Truppen setzen Streubomben ein

Besonders kritisch scheint die Lage in Misurata zu sein. Gaddafis Truppen nahmen die letzte Rebellenhochburg im Westen des Landes unter starken Beschuss. Dabei setzten sie Streubomben ein. SPIEGEL-ONLINE-Reporter Jonathan Stock berichtete aus der Stadt, dass Menschen die Hüllen der Streubomben gesammelt, und im Hinterhof der medizinischen Universität und des Gerichtsgebäudes zusammengetragen haben. "Wir sehen keinen Schutz für Zivilisten", zitierte die Nachrichtenagentur Associated Press einen Arzt. "Die Nato-Luftschläge sind nicht genug."

Nach Angaben von Zivilisten und Aufständischen werden die Streubomben bereits seit mehr als einer Woche eingesetzt, seit zwei Tagen allerdings verstärkt. Meistens kommen sie an der Front zum Einsatz, seltener in Wohngebieten. Streubomben explodieren in der Luft und verteilen unkontrolliert viele kleine Sprengsätze, sogenannte Submunition oder "bomblets". Werden sie in Wohngebieten eingesetzt, ist die Gefahr sehr groß, dass es zivile Opfer gibt. Internationale Abkommen ächten daher den Einsatz dieser Waffen. Das Gaddafi-Regime bestreitet, Streubomben eingesetzt zu haben.

Nach Angaben eines Rebellengenerals wurden in Misurata auch eine Fabrik für Milchprodukte und für Speiseöl unter Beschuss genommen. Drei Rebellenkämpfer und drei Zivilisten kamen nach Angaben der Aufständischen am Samstag bei den Angriffen von Gaddafis Truppen ums Leben, 48 Personen wurden verletzt. Nach Angaben von Hilfsorganisationen herrscht in Lagern im Großraum Misurata ein Mangel an Arznei, Nahrung und Wasser. In den Lagern leben 6000 bis 10.000 Gastarbeiter.

Ein von der Organisation Ärzte ohne Grenzen gechartertes Schiff mit 95 Libyern aus Misurata traf am Samstag im tunesischen Hafen Zarzis ein. Unter den Evakuierten waren 65 Verletzte. Sie wurden laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur TAP in Krankenhäuser eingeliefert.

ulz/dpa/dapd/AP/AFP/Reuters

insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
martin-gott@gmx.de 17.04.2011
1. UN Resolution
Entweder vestehe ich die UN Resolution nicht richtig oder die Rebellen. Nach der UN Resolution sollen ja Zivilisten geschützt werden. Den Rebellen würde ich diesen Status nicht zugestehen. Sie sind bewaffnet und Kriegspartei, und wenn man sich die Bilder im Fernsehen anschaut denn dürften auch schon ein paar Zivilisten von ihnen getötet worden sein.
materialist 17.04.2011
2. Schon wieder ne Lüge
In dem oben angeführten Artikel steht dick gedruckt eine Lüge :``Gaddafis Truppen verwenden Streubomben `` Hierzu folgendes :Bomben werden von Flugzeugen abgeworfen und die NATO hat selber verkündet dass das Flugerbot erfolgreich durchgesetzt wurde.Allenfalls könnten sie somit Granaten mit Streumunition verschiessen aber dann müsste das auch so im Artikel stehen.Die dritte Möglichkeit wäre das Gaddafis Truppen die zentnerschweren Bomben mit der Hand über 500 oder 1000m auf den Gegner werfen.
freiheit05 17.04.2011
3. Nur den USA ist alles erlaubt
Nur den USA ist alles erlaubt. Merke: Alles was die USA machen ist richtig. Die USA dürften auch Streubomben verwenden. Wie anders ist zu erklären, dass die USA das Abkommen über das Verbot nicht unterzeichnet haben ?
otla.pinnow 17.04.2011
4. Keine Lüge.
Zitat von materialistIn dem oben angeführten Artikel steht dick gedruckt eine Lüge :``Gaddafis Truppen verwenden Streubomben `` Hierzu folgendes :Bomben werden von Flugzeugen abgeworfen und die NATO hat selber verkündet dass das Flugerbot erfolgreich durchgesetzt wurde.Allenfalls könnten sie somit Granaten mit Streumunition verschiessen aber dann müsste das auch so im Artikel stehen.Die dritte Möglichkeit wäre das Gaddafis Truppen die zentnerschweren Bomben mit der Hand über 500 oder 1000m auf den Gegner werfen.
Bomben werden heutzutage auch mit Raketen 'verschickt'. Selbige lassen sich stationär abfeuern, von Raketenwerfern aus, inzwischen gibt es aber auch tragbare Systeme.
Vindelik, 17.04.2011
5. Konkret
Das Gaddafi-Regime ist verantwortlich für das Lockerbee und das La Belle Attentat. Dieses Regime hat in über 40 Jahren in ihren Wüsten-KZ, grausma mißliebige Oppositionelle gefolter und getötet. Jetzt erheben sich einfache Bürger..in Tripolis und Sawja ist der Aufstand blutig niedergeschlagen worden. Im Osten ist es gelungen, sich von Gaddafi zu befreien. Was haben diese "Rebellen", alte Waffen gegen moderne Streikräfte Gaddafis, die neuerdings auch zivil sich kleiden und ihre schwere Waffen unter Zivilisten verstecken. So perfide, dass die Nato-Flugzeuge es schwer haben, sie ausfindig zu machen. Und wir? Lassen wir zu, wie in Misrata, die Zivilbevölkerung abgeschlachtet wird von diesen mörderischen Regime??? Wo ist Deutschland? Drückt sie sich wieder vor der Verantworung und müssen wieder die Amis ran???
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.