Libyen-Krieg Rebellen melden Befreiung Misuratas

Seit Wochen tobten schwere Kämpfe um Misurata, jetzt reklamieren die Rebellen den Sieg. Gaddafis Soldaten sollen sich zurückgezogen haben. "Die Stadt ist befreit", sagte ein Sprecher am Mittag.


Tripolis - Misurata, die drittgrößte Stadt Libyens, ist seit mehr als sieben Wochen umkämpft. Nun melden die Aufständischen, die Stadt sei befreit, die Truppen Gaddafis hätten sich zurückgezogen. Eine Bestätigung der Angaben aus unabhängiger Quelle lag zunächst nicht vor.

Gefangengenommene Soldaten Gaddafis hatten zudem berichtet, ihnen sei der Abzug befohlen worden. Vize-Außenminister Chaled Kaim hatte zudem den Rückzug der Armee angekündigt und ihn mit den westlichen Luftangriffen begründet.

Die Stadt Misurata liegt rund 200 Kilometer östlich von Tripolis und ist eine Hochburg der Rebellen im Westen des Landes. Bei den Kämpfen zwischen Gaddafis Truppen und den Aufständischen starben Hunderte Menschen.

Die Milizen der Regimegegner hatten sich in den vergangenen Tagen deutliche Vorteile erkämpft. Unter anderem brachten sie das Hauptkrankenhaus und die Misurata-Brücke nahe dem Westeingang der Stadt unter ihre Kontrolle. Das berichtete der arabische Nachrichtensender al-Dschasira am Samstag. Die Klinik war von den Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi als strategischer Stützpunkt genutzt worden.

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Misurata: Rebellen befreien umkämpfte Stadt
Die Kämpfe flauten am Freitag bereits deutlich ab. Die Regimegegner verzeichneten 13 Verletzte und keine Toten, sagten Krankenhausärzte dem Sender. In den Tagen zuvor hatten noch schwere Gefechte vor allem um die Tripolis-Straße, eine strategische Achse, das Geschehen bestimmt. Dabei waren am Mittwoch auch zwei westliche Fotografen ums Leben gekommen. Insgesamt sollen in jenen Tagen bis zu hundert Rebellen getötet worden sein.

Zehn Menschen sterben bei Gefechten

Am Samstag wurden in Misurata bei Kämpfen mindestens zehn Menschen getötet, sagte ein Arzt des größten Krankenhauses der Stadt. Seit dem Morgen seien rund 50 Verletzte eingeliefert worden. Die Zahl der Toten und Verletzten habe damit bereits am Mittag die Zahl erreicht, die normalerweise an einem ganzen Tag eingeliefert würden.

"Wir sind überfordert, es fehlt uns an allem: an Personal, Geräten, Medikamenten", sagte der Arzt. Mit wenigen Minuten Abstand fuhr ein Krankenwagen nach dem anderen vor. Krankenhauspersonal wusch eilig Blut von den Tragbahren. Unter den Verletzten waren auch Soldaten von Libyens Machthaber Gaddafi.

Ein Schiff der Internationalen Organisation für Migration legte am Samstagmorgen im Hafen von Misrata an und brachte Medikamente und Lebensmittel. Das Schiff sollte rund 1000 Flüchtlinge an Bord nehmen und am Nachmittag in die ostlibysche Rebellenhochburg Bengasi aufbrechen.

Deutsche sind gegen Nato-Einsatz

Die Nato setzte am Samstag ihre Angriffe fort und zerstörten unter anderem einen unterirdischen Betonbunker in Tripolis. Der libysche Regierungssprecher Mussa Ibrahim sagte, es habe sich um einen ungenutzten Munitionsbunker gehandelt. Drei Menschen seien getötet worden. Nach dem Angriff am Samstag versammelten sich Gaddafi-Anhänger bei dem Militärgelände und schwenkten Gaddafi-Bilder.

In Deutschland wird der Einsatz der Nato kritisch beurteilt: Gut zwei Drittel der Bundesbürger stehen nach einer Umfrage des Leipziger Instituts für Marktforschung hinter der Position der Bundesregierung, die sich im Uno-Sicherheitsrat der Stimme enthalten und eine Beteiligung am Bombeneinsatz abgelehnt hatte.

Im Osten war die Zustimmung mit 71 Prozent größer als im Westen mit 66 Prozent, berichtet die "Leipziger Volkszeitung" vom Samstag. Rund 23 Prozent meinen, Deutschland habe seine wichtigsten Verbündeten im Libyenkonflikt im Stich gelassen. .

jul/cte/Reuters/AFP

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Liberalitärer, 23.04.2011
1. Das sollte das Ende sein
Zitat von sysopSeit Wochen tobten schwere Kämpfe um Misurata, jetzt reklamieren die Rebellen den Sieg. Gaddafis Soldaten sollen sich zurückgezogen haben. "Die Stadt ist befreit", sagte ein Sprecher am Mittag. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758782,00.html
"Gefangengenommene Soldaten Gaddafis hatten zudem berichtet, ihnen sei der Abzug befohlen worden. Vize-Außenminister Chaled Kaim hatte zudem den Rückzug der Armee angekündigt und ihn mit den westlichen Luftangriffen begründet." Also Ende der Luftangriffe, die Resolution des Sicherheitsrats wurde befolgt. Der Oberst scheint Wort gehalten zu haben. Das wäre gut. Dann freie, gleiche und geheime Wahlen.
mardas 23.04.2011
2. Yay
Es sieht so aus, dass es stimmt, denn gefangene Gaddafi-Soldaten haben dasselbe gesagt, nämlich, dass sie zurückziehen. Ich muss sagen: Endlich einmal hat sich eine Intervention gelohnt. Ich hoffe, der Krieg ist bald endlich beendet und Libyer können endlich einen demokratischen Staat aufbauen.
Rodri 23.04.2011
3. ...
Ich hoffe das sinnlose Morden durch die Rebellenhorden hat bald ein Ende. Man sollte den Millionen libyschen Zivlisten, die vor den Rebellen fliehen wollen, in Europa eine neue Heimat geben !
docker 23.04.2011
4. Optimismus
Zitat von mardasEs sieht so aus, dass es stimmt, denn gefangene Gaddafi-Soldaten haben dasselbe gesagt, nämlich, dass sie zurückziehen. Ich muss sagen: Endlich einmal hat sich eine Intervention gelohnt. Ich hoffe, der Krieg ist bald endlich beendet und Libyer können endlich einen demokratischen Staat aufbauen.
Könnte aber auch sein , dass demnächst auf dem Hauptplatz in Misurata die Baukräne aufgefahren werden.
ratxi 23.04.2011
5.
Zitat von mardasEs sieht so aus, dass es stimmt, denn gefangene Gaddafi-Soldaten haben dasselbe gesagt, nämlich, dass sie zurückziehen. Ich muss sagen: Endlich einmal hat sich eine Intervention gelohnt. Ich hoffe, der Krieg ist bald endlich beendet und Libyer können endlich einen demokratischen Staat aufbauen.
Kämpfende Truppen brauchen neben Treibstoff und Munition noch viele wichtige Dinge. Wenn die Transportwege abgeschnitten sind, geht nichts mehr. Es scheint jetzt wirklich so auszusehen, dass sich die Luftangriffe nachhaltig auswirken...
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