Flüchtlingskrise in Libyen Auf See geretteter Migrant vor Uno-Helfern erschossen

Ein Migrant aus dem Sudan ist nach seiner Rettung auf See in Libyen erschossen worden. Er sollte in ein Internierungslager gebracht werden, Uno-Helfer waren Zeugen des Vorfalls.

Ankunft von Migranten auf einer Marinebasis in Tripolis (2017). In der Hauptstadt wurde nun ein auf See geretteter Migrant erschossen
REUTERS

Ankunft von Migranten auf einer Marinebasis in Tripolis (2017). In der Hauptstadt wurde nun ein auf See geretteter Migrant erschossen


Vor den Augen von Uno-Mitarbeitern ist in Libyen ein Migrant aus dem Sudan erschossen worden. Die Uno-Organisation für Migration (IOM) und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR verurteilten den Vorfall scharf.

Es sei ein neuer Beweis dafür, dass das Bürgerkriegsland Libyen kein sicheres Land sei und Migranten unter keinen Umständen dorthin zurückgebracht werden dürften, sagte ein UNHCR-Sprecher in Genf. Eine solche Tragödie sei nur eine Frage der Zeit gewesen, sagte IOM-Sprecher Leonard Doyle.

Der Mann sei in einer Gruppe von gut 100 Menschen gewesen, die die Küstenwache bei der versuchten Flucht Richtung Europa abgefangen und nach Libyen zurückgebracht hatte, berichtete eine IOM-Sprecherin.

Lokale libysche Medien hatten Anfang der Woche gemeldet, die Küstenwache des Landes habe am Wochenende insgesamt 300 Migranten von drei Booten zurück nach Libyen gebracht. Unter Bezug auf die libysche Küstenwache hieß es, die Schiffe seien 80, 55 und 44 Seemeilen von der Küste entfernt gewesen. Ob der tote Sudanese zu diesen Menschen gehörte, ist unklar.

Von der IOM hieß es über die Menschen der Gruppe, zu der der Sudanese gehörte, diese hätten sich gewehrt, weil sie in ein Internierungslager gebracht werden sollten. IOM-Helfer waren vor Ort, wer bei dem Vorfall auf dem Militärgelände Abusitta in der Hauptstadt Tripolis geschossen habe, sei unklar, sagte die Sprecherin.

Die EU steht unter wachsender Kritik von Menschenrechtlern, weil sie die libysche Küstenwache unterstützt, Migranten abzufangen und zurück an Land zu bringen. In den libyschen Internierungslagern herrschen nach Angaben von UN-Organisationen unmenschliche Zustände.

Die Menschen seien eingepfercht, würden kaum versorgt und Gewalt sei an der Tagesordnung. Vor zwei Monaten waren 53 Migranten bei einem Luftangriff auf ein Internierungslager in Tadschura im Osten der Hauptstadt Tripolis umgekommen.

cht/dpa

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