Libyen Milizen feuern Granate auf Geheimdienstzentrale

Zwei verfeindete libysche Milizen haben sich vor der Geheimdienstzentrale in der Hafenstadt Tripolis einen Schusswechsel geliefert. Bei dem Zusammenstoß wurde eine Granate auf das Gebäude abgefeuert, auch das örtliche Krankenhaus wurde getroffen. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt.


Tripolis - Der Vorfall zeigt, wie brüchig der Frieden in Libyen auch mehr als ein Jahr nach dem Aufstand gegen Muammar al-Gaddafi noch ist: Zwei rivalisierende Milizen lieferten sich vor der Geheimdienstzentrale in Tripolis einen Schusswechsel. Mindestens fünf Menschen wurden bei der Auseinandersetzung verletzt.

Bewohner des Stadtteils Sidi Khalifa berichteten, dass der Kampf kurz nach Mitternacht ausbrach. Zwei Milizen, beide vom offiziellen höchsten Sicherheitskomitee autorisiert, gerieten über ein verhaftetes Mitglied einer der Gruppen in Streit. Anwohner hätten die Polizei um Hilfe gerufen, aber niemand sei gekommen.

Eine der Milizen feuerte eine Panzerabwehrrakete auf das Geheimdienstgebäude ab, die andere Gruppe feuerte aus dem örtlichen Postgebäude zurück. Die Anwohner riegelten die Straße ab und holten ihre eigenen Waffen um sich notfalls zu verteidigen.

Als das Krankenhaus von einer Kugel getroffen wurde, brach Panik aus. Ärzte und Krankenschwestern brachten sich in Sicherheit. Einer der Ärzte äußerte scharfe Kritik an den Milizen: "Wir haben Patienten, die wir behandeln müssen. Die Milizen sollen uns in Ruhe lassen, damit wir unsere Arbeit machen können."

Bombenanschlag in Bengasi

In der Nacht zum Sonntag explodierte zudem vor einer Polizeiwache in Libyens zweitgrößter Stadt Bengasi eine Autobombe. Bei dem Anschlag wurden drei Polizisten verletzt. Die Explosion, die sich vor dem Morgengrauen ereignete, beschädigte das Polizeigebäude. Bengasi wurde in den vergangenen Monaten immer wieder von Explosionen erschüttert. Die Hafenstadt im Osten des Landes war eine Hochburg der Erhebung gegen Libyens langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi.

Seit Gaddafis Tod vor gut einem Jahr bemüht sich die neue Führung um den Aufbau einer schlagkräftigen Armee und Polizei. Dabei hat sie immer wieder mit Milizen zu kämpfen, die aus dem Konflikt zwischen Gaddafis Anhängern und Gegnern hervorgegangen waren.

nck/Reuters



insgesamt 26 Beiträge
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schandmaul1000 04.11.2012
1. Zurück in die Steinzeit
dank der segensreichen Hilfe Frankreichs,dem Engel Nordafrikas.Die Entwicklung Libyens spricht Gaddafi selig.
alevihaydar 04.11.2012
2. optiona
Ein Hoch auf die "westliche Zivilisation" für die Demokratie in Libyen.Weiter so!
Lemmi42 04.11.2012
3. Wo sind sie denn jetzt
die Bomber der Freunde Libyens,sie werden doch die Revolutionäre nicht etwa vergessen haben ?
robert.haube 04.11.2012
4. Rechtlose Lage
Die Kämpfe in Tripolis, so twittert der Wirtschaftsbeauftragte der österreichischen Botschaft, David Bachmann (twitter.com/David_Bachmann_) , dauern auch den heutigen Tag über an. Es handelt sich um den Kampf zweier Brigaden, von denen eine das ehemalige HQ des Geheimdienstes als ihren Sitz hat. Diese Brigade nimmt sich schon länger das Recht heraus, jeden, der ihr nicht passt, zu verhaften. Gerichtsverhandlungen gibt es hierbei keine.
carahyba 04.11.2012
5. Ja das ist die Situation ...
Zitat von robert.haubeDie Kämpfe in Tripolis, so twittert der Wirtschaftsbeauftragte der österreichischen Botschaft, David Bachmann (twitter.com/David_Bachmann_) , dauern auch den heutigen Tag über an. Es handelt sich um den Kampf zweier Brigaden, von denen eine das ehemalige HQ des Geheimdienstes als ihren Sitz hat. Diese Brigade nimmt sich schon länger das Recht heraus, jeden, der ihr nicht passt, zu verhaften. Gerichtsverhandlungen gibt es hierbei keine.
Viele Mitglieder dieser Milizen fordern "ihren" Anteil am "Gold von Ghadaffi", schliesslich hätten sie die "Revolution" gemacht. Da sie "ihren Anteil" nicht bekommen, sehen sie sich in alter Tradition ihrer Vorfahren, die das in Nordafrika weit verbreitete Piraterie-Geschäft betrieben, berechtigt, Menschen zu entführen und dafür Lösegeld zu verlangen. In Misrata werden viele Menschen festgehalten, genaue Zahlen kennt man nicht, HRW spricht von einigen Dutzenden, die ohne jegliche Anklage und Verfahren festgehalten werden. Der Pauschale Vorwurf lautet: Ghadaffi-Sympathisant. Haben die Familien Geld können sie ihre Verwandten freikaufen, so einfach ist das. Früher wurden diejenigen, die nicht freigekauft wurden auf dem Sklavenmarkt verkauft. Heute bieten sie der Regierung und den Menschenrechtsorganisationen an diese Menschen freizukaufen.
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